Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180235
Einfluss 
Zeitalters auf 
des 
dßn 
Künstler. 
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und die Farben verblasst; zu schneller und zu grosser Ruhm freilich 
ist Sonnengluth, welche iiberreizt, verdörrt und verzehrt. Auch hier 
ist ein Maass, das durch Verständuiss gesetzt wird. Nichts ist schlim- 
mer als leeres Preisen. Aber es hilft nur zu häufig nichts, den Künstler 
zu warnen und ihn auf Donatello hinzuweisen. Der Eitle wird immer 
nur begierig nach dem Lobe haschen und den Tadel ungerecht finden. 
Donatello ging von Padua fort, weil man ihn in den Himmel hob, ohne 
ihn zu verstehen; er wollte lieber zu den seharfzungigen, aber ver- 
stiindnissvollen Florentinern zurückkehren, die ihm weniger gaben, ihn 
minder lobten, ihn scharf kritisirten, bei denen er aber nicht in Gefahr 
stand, eitel zu werden und das zu vergessen, was ihn gross machte. 
Wehe dem Künstler, der sich in Selbstbehagen und Sehmeiehelei ein- 
spinnt! Sonst aber ist er dem Mann im Märchen zu vergleichen, der 
mit seinem Schwerte durch Eisen, Stahl und Stein hauen konnte, aber 
elendiglich umkonimen musste, als man mit Kürbissen nmkleitietc 
Feinde gegen ihn aussehiclatc. Es muss geistiges Feuer und Gharacter- 
testigkeit in der Zeit liegen, dann vermag der Genius jeden Widerstand 
zu laesiegen; eine schwammige, hölzerne Epoche jedoch, die weder 
Klang noch Feuer giebt, wenn man an sie schlägt, ist der Tod für 
jedes künstlerische Streben. 
Gerade in jetziger Zeit hört man häufig die Frage erörtern, wie 
der Staat für die Pflege der Kunst und die Bildung der Künstler zu 
sorgen habe. Was die erste Frage betrifft, so ist die Antwort leicht. 
Der Staat soll nach Kräften die Kunst benutzen, um sich durch schöne 
und erhabene Werke des Künstlergeistes zu ehren, dadurch ein Zeug- 
niss zu geben von der Kraft und Hoheit des Volksgeistes, aus dem 
solche Kunstwerke geboren sind und somit sich, dem Volke, der Zeit 
herrliche Denkmale zu setzen. Was die Mächtigen und Reichen betrifft, 
so ist natürlich ihrer persönlichen Neigung Alles überlassen. Nur auf- 
merksam kann man sie machen, wie es eine der besten Verewigungcn 
ist, Werke der Kunst hervorgerufen zu haben. Freilich, Würdige 
sollten dazu Würdigc finden. Aber, was ist für Viele Nachruhm! Kann 
man ihn essen, kann man ihn trinken? Fühlt man ihn, hört man ihn, 
wie Fallstaff sagt? Solche Denkmale erfordern einen Sinn, in dem es 
mit Schiller klingt:  
Mon des Lebens Gütern allen f 
Ist der Ruhm das Höchste doch.  
YVenn der Leih in Staub zerfallen, 
Lebt der grossc Name noch. 
Was Staaten anbelangt, so will ich hieher die Werte setzen, mit 
denen Florenz den Bau seines Domes befahl: "Dieweil die höchße 
Klugheit eines Volkes von edler Abkunft darin besteht, in seinen An- 
gelegenheiten so zu verfahren, dass aus Seinen öffentlichen Uutlcrrneh- 
mmigen eben so sehr Spin weises, wie sein hochherziges Ilandeln offen-
        

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