Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180212
Genialität. 
Arbeit 
Gunies. 
des 
251 
und J ulius Cäsar durch Nichtsthun sich zu ihrer Höhe aufgeschwungen? 
lelat ein Newton, ein Gauss, Keppler, Händel, Beethoven gefeiert? 
Aber da hält man sich oft an Aeusscres, weil man nicht die inner- 
liehc Arbeit des Genies sieht, wenn es müssig zu sein scheint. Das 
Genie ist eben selten oder nie müssig. Es arbeitet oft hart und schwer, 
wenn man meint, es feiert. Es ringt mühselig, wo ein Anderer leicht 
hinübcrgleitet. Weil es keine Binde vor den Augen hat oder sich die- 
selbe abrcisst, so sieht es die Abgründe, die Anderen verborgen bleiben, 
die Morsehheit des Steges, darüber der Weg führt, dem sich sonst Jeder 
blindlings und gläubig anvertraut. Immer findet es das tiefere Urgesetz, 
aber selten ist es von der Gottheit so begnadigt, dass es nun dazu 
keiner Mühwaltung mehr bedürfe. Es hat oft die grössten Schwierig- 
keiten wegzuräunicn, viele Schranken mit verzweifelter Anstrengung 
zu durchbrechen, ehe es Raum gewinnt, seine Kraft zu entfalten, seine 
Mittel anzuwenden. 
Dass es lernen muss, was vor ihm schon gewonnen ist, versteht 
sich von selbst. Das muss, soll es fruchtbar sein, die Grundlage ab- 
geben, über die es sich erhebt. Will es dabei die Regeln verschmähen, 
die vor ihm durch Natur geboten, durch Genie und 'I'alent gefunden 
sind, meint es, Alles selber aus sich finden zu müssen, so vergeudet es 
natürlich seine Kraft. F reilieh ist seine Arbeit nicht. die eines Schul- 
fuchses. Es fiiegt wohl, wo Jener Zoll um Zoll vorrückt; es sieht an 
einem Beispiele, was Jener an hunderten oft nicht findet, die Regel. 
Aber ganz abgesehen davon, dass das Genie sich nicht auf alle. 'l'hätig- 
keiten erstreckt, dass aber der Mensch (lanaeh zu ringen hat, in jeder 
Beziehung nicht unter dem Niveau seiner Zeit zu stehen, so wenig er 
im Niveaumensclreir aufgehen soll, so gilt, was den Fleiss betritft, ewig 
die Fabel vom Füllen, Esel und der Schnecke: Füllen, Esel und Schnecke 
iretteten um ein Krautfeld. Das schnelle Pferd glaubte übermüthigizäes 
habe Zeit sich in Galopp zu setzen, wenn der Esel am Fusse desymgvels 
laufe, darauf das Feld lag und die Schnecke nur einen Schritt  
entfernt sei. Der Esel wollte aus Faulheit auch noch warten; so- ' H j 
das Füllen noch Possen trieb. Die Schnecke aber kroch stetig vorwartks, 
und als jene sich plötzlich darauf lfesqnnen, dass es an der Zeit wäre zü' 
laufen, da hatte sie das Feld gewonnen. Da haben wir das grosse, das 
tüchtige und das kleine Talent. Wie Vielen ist es nicht ergangen wie 
dem Füllen! Man täusche sich nur nicht zu sehr mit dem Spruch, dass 
das bedeutende 'l'alent, das Genie sich doch durchringe undschliesslicli 
triurnphire, wie viele Hindernisse ihm auch entgegenstärnleii, wie es sich 
auch selbst vergessen hatte. Die Sieger werden bekannt, wie Vielefizii 
Grunde gegangen sind, das weiss Niemand. Nur hie und da taucht eine 
solche Kunde auf. Auch der Starke muss sich üben und in harter An- 
strengung die Kräfte stahlen oder der Athem gehhihmgfsrus, wenn es 
Kampf gilt, die Sehnen werden schlaff und der Siegerkraiägiahtvverloren.
        

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