Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177821
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Schi 
Das 
jne, 
"Wahre und 
und die Risse wieder zuzuwerfen. Je weiter sie in ihrer lteaction gegen 
ein solches Treiben gingen, desto weniger nützten sie natürlich. 
Weder die outrirte Frömmigkeit, noch die Vorliebe für alten Sparta- 
nischen Zwang, noch orientalische Principien der Ethik, noch socialc 
Ordnungen, wie sie gleichfalls der Orient ausgebrütet hatte, noch Ver- 
achtung alles ästhetischen Lebens konnten ein richtiges Gegengewicht 
abgeben und auf die richtige Bahn wieder hindrängcn. Xenophon, 
der religiöse, Alles nach soldatischer Zucht und Ordnung begehrende 
Ritter sowenig, wie Platon, der seinen Phantasiestaat nach den Vor- 
bildern des Orients schuf, der dem Wirrwarr der politischen Be- 
wegungen seiner Zeit den statrren Zwang des Kastenthums als das 
Beste cntgegenstclltc und eine IIerrschaft der Weisen verlangte, wie 
Aegypten Vorbild gegeben hatte oder das Priesterregiment der Juden 
es geben konnte, der die Kunst aus seinem Staat verbannte, er 
sowenig wie Stoiker oder Cyniker vermochten Einhalt zu thun. Alle 
Anstrengungen der Einzelnen wie der Schulen waren vergeblich, das 
Verderben zu beschwören, Welches aus der Versinnliellung der Masse 
und deren Aufgehn in Genuss, Vergnügen und Aeusserlichkeit über das 
griechische Volk heraufzog. Der sehroffste Ausdruck des Gegensatzes 
zeigte sich in der Stoa und in den Cynikern; die Auflösung des eigent- 
lichen Griechcngeistes ward darin sichtbar. Wie sehr auch Platon 
wohl in philosophisehcm Hoehmuth und ethisehem Eifer das ästhetische 
Leben angegriffen hatte, er war selbst zu gross und auch zu voll der 
Schönheit, als dass er in die Einseitigkeit der Stoiker und Cyniker 
verfallen konnte, welche den ganzen ästhetischen Menschen mit seinem 
auf höheren wie niederen Genuss gerichteten Streben verdammten. 
Diese erkannten nur das ethische Element an; das Gute allein und das 
Streben danach, das aus-der Tugend erwächst, ward im Gegensatz zum 
Schönen und Wahren oder vielmehr zu einem entnervenden Sinnen- 
leben und einer sceptischen, zerfressenen Philosophie als das einzig zu 
Erstrebende aufgestellt. Griechen verdammten und verschmähten das 
Schöne, in welchem das Volk die höchsten Triumphe gefeiert hatte! 
Die Harmonie der Dreiheit, die die Hellenen so herrlich hingestellt 
hatte, schrillte in Disharmonien  Griechenland hatte für sich seine 
grosse Rolle ausgespielt. Das Volk konnte nur noch dienend  denn 
herrschen kann nu1', wer fest und gross im Wollen ist  in seiner 
geistigen Zersetzung anderen Nationen nützen. Freilich, wenig andere 
Völker können so stolz auf die Leistungen ihrer Glanzzeit schauen. 
Um nur die eine, allerdings die höchste Leistung anzuführcn: die 
Schönheit war von den Hellenen für die Menschheit gewonnen worden. 
Philipp von Maeedonien, an der Spitze eines rein politischen 
Slaales, begann die Führung der griechischen Welt an sich zu reissen. 
Er hatte feste Ziele und wusste, was er wollte. Seine Halbbarbaren 
demüthigten die Nachkommen der Sieger von Marathon und Salamis,
        

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