Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180133
Der 
Künstler. 
Betrachten wir den Künstler, so stossen wir auf die künstlerische 
Anilage als Urgrund. Stichen wir diese in ihren IIaupterscheinungen zu 
erfassen. Der Künstler ist ein Schaffer (griechisch: 130015, Macher; der 
Dichter hiess bei den Angelsachsen seof, Schaffer). Schöpferisehe 
Kraft, Trieb zum Schaffen ist dem Künstler wesentlich. Die ganze Er- 
scheinungswelt beruht auf der Sinnlichkeit, die Sinnlichkeit in ihrer 
(eigentlichen Bedeutung genommen. Den höheren Sinnen haben wir 
hauptsächlich das Reich des Aesthetischen zugesprochen. Ohne eine 
gesunde Kraft dieser höheren Sinne ist daher kein Künstler denkbar. 
Zum Schaffen muss ihn Lebensfrische und freudige Stärke deluEin- 
(lrücke, ja ein [lebcrsehuss von Lebenskraft durchströmen, wodurch er 
angetrieben wird, von diesem Ueberschusse sich zu befreien. Diese 
geheime, angeborene Triebkraft setzt ihn in Bewegung; sie ist wirksam 
im gewöhnlichsten Spiel wie beim Schxtffen des höchsten Kunstwerkcs. 
_Freilich giebt sie nur den Antrieb; an sich kann sie nicht über 
Spielüusserung hinausgehen. Zum künstlerischen Gestalten gehört vor 
Allem ein Material, an dem sie sich gegenständlich zeigen kann. Dieses 
Material giebt die lüinbildungskraft. Um etwas darzustellen und nicht 
bloss sinnlos zu schaffen, muss man wissen, was man darstellen will. 
Wo es sich um Formen handelt, muss dem Geiste die Form gegen- 
wärtig sein, welche gebildet werden soll. Gesetzt, es gälte etwas genau 
zu eopiren, also eine der leichtesten Arten der Bildung, so ist es der 
Geist, die lilinbiltlungskraft, welche zwischen dem Vorbild und der 
Copie vermittelt. Grosse Uebung kann es dahin bringen, dass die Hand 
gleichsam unbewusst nachfiihrt, xiichtsdestowveniger ist sie, wie kaum 
bemerkt zu werden braucht, nur das ausführende, vom Geist in Bewe- 
gung gesetzte Werkzeug. Man schaut das Vorbild an und prägt dieses 
in sich hinein, bildet es ein, und copirt nun mit der Hand nach diesem 
eingebildeten Bilde. Wer nicht die Kraft dieses ltllllßlllblldßllS hat, 
wessen Geist gleichsanrzu hart ist, als dass sich die Züge hineingraben 
könnten, odeißso weich, dass Alles wieder durcheinander rinnt, ehe die 
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