Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180064
236 
l)er 
scE 
Trieb. 
lÜpfOYiSChG 
Kunst. 
Die 
inste. 
Ki 
Die 
Glasperle wird die allerschönstc Königin. Da liegt ein schwarzer Kiesel 
und das ist der böse Zauberer und dort findet es eine zerbrochene 
Nadel und das ist die garstige Hexe, welche die gute Prinzessin tödten 
will. Wie das Kind, so kindliche Völker.  Wie der Mensch das 
Stampfen des Jubels (lurch den ihm angeborenen Taet zum Rhythmus 
des Tanzes führt, wie er das Jauchzen anschwellen und abtönen lasst 
und bald auch die freieste schaffende Kraft der Phantasie, die Dich- 
tung in Maasse bringt, vielleicht zumeist dem Klangc des Instrumentes 
folgend, mit dem er das Wort zu begleiten gelernt hat, so nun hat 
sein Auge schnell die Regelmassigkeit prüfen gelernt, die Symmetrie 
ersehaut, Verhältnisse entdeckt, sich an dem bunten Spiel bewegter 
Linien erfreut und die Hand hat gelernt, auszuführen, was das Auge 
schaut; so hat er überhaupt die Formen mehr und mehr begriffen, hat 
gesehen, was fehlt, wenn er ein Abbild geschaffen hat und hat ergänzt, 
mehr und mehr dem Vorbild sich nähernd. Im Schmuck, in Geräthen, 
dann bauend und nachbildcnd, hat er ebenso wie singend, dichtend, 
musicirend, tanzend den ihm angeborenen Trieb zum Schönen Aus- 
druck zu geben verstanden.  
Und mit Vorliebe hat sich seine Thatigkeit gerade auf die Erschei- 
nung gewandt. Denn noch ist es ihm schwer, abstracte Begriffe fest- 
zuhalten. Er lebt noch in Anschauungen; eifrig sucht er dem Gedanken 
eine äussere Gestalt, eine Form zu geben, dass er ihn behalte. 
Wo ihn die Natur zur festen Siedelung führt und er mehr und 
mehr zum Bauen eines Wohnortes hingedrängt wird, da wird er gern 
mit wahrer Leidenschaft sich auf die unorganische Natur stürzen, um 
an dieser seine Kenntnisse und seine Kraft auszulassen. Denn sie ver- 
mag er sehr schnell in ihren Hauptgesetzen zu erfassen; mit ihr kann 
er sicher hantieren; da kann er messend seinem inneren Trieb nach 
Ordnung genügen. Die statischen und mathematischen Principien hat 
er gefunden. Er weiss, wann ein Körper fallt, wann er steht; er sieht, 
wie er ihn stützen kann; er findet die Richtschnur  Pythagoras kann 
bei Entdeckung seines Satzes kein höheres Entzücken gefühlt haben, 
als der Mensch, der zuerst das Lineal anlegte und durch Drehung den 
Kreis entstehen sah! Wir finden jetzt andere Gesetze und verweilen 
in ihrer Ausübung mit Leidenschaft; so vermögen wir es kaum zu 
ahnen, welcher Stolz die Herzen der Menschen geschwellt hat, als sie 
den behauenen Stein auf den behauenen Stein setzten, dass er nicht 
fallen konnte und Alles mathematische Ordnung zeigte. Meint man, 
dass sonst Pyramiden gebaut wären? Könnten sie uns sonst so er- 
greifen, wenn nicht in ihnen Denkmäler des Geistes standen, der die 
Natur zu ordnen gelernt hat? 
So ergriff er die Körperwelt; aber auch der Ton hat das Ohr des 
Menschen empfindlich getroffen. Zwei Töne schrillten durch einander 
und sie thaten weh. Zwei andere klangen und das war eine wunder-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.