Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1180031
Der 
schöpferische 
Trieb. 
Die 
Kunst. 
Die 
Künste. 
Wir nannten den Menschen ein Wesen, in welchem die Schöpfung, 
der wir angehören, ihre höchsten Kräfte zusammengefasst hat, um es 
frei von sich abzulösen. Sie hat den Menschen als eine kleine Welt sich 
selbst entgegengesetzt, dass er gleichsam ihr Auge, ihr Spiegel werde; 
sie hat ihn ausgerüstet mit der Kraft, die Schöpfung zu begreifen; sie 
hat ihn begabt mit der Freiheit des Willens, ohne die kein rechtes Er- 
kennen, kein Prüfen möglich wäre, so dass er dem alles Andere beherr- 
schenden Zwange entrissen ist und sieh sogar zur Natur in Gegensatz 
stellen und ihr zuwider handeln kann; sie hat ihn ferner ausgerüstet 
mit dem Triebe in menschlicher Weise die Schöpfung zu wiederholen, 
schöpferisch zu sein, frei zu schaffen. 
Es lebt der liienseh auf Erden, vernunftbcgabt, erkennend, unter- 
suchend, fähig die Ordnung des Kleinsten und in Raum und Zeit fast 
Verschwindenden zu erfassen und in die YVeiten der Milchstrassen und 
Nebeltlecken des Himmels dringend, in den Strahlen der Sonne, in den 
Bahnen der Gestirne, in kreisenden Doppelsternen und wieder im Ent- 
falten des dem unbewaiiiicten Auge vielleicht unsichtbaren Geschöpfes 
die Gesetze der Natur erkennend, fähig, sich selber zu erforschen und 
den "Gesetzen des Geistes naehzuspüren, der so wunderbar in ihm waltet. 
Sein Geist hat diese Kraft; er nennt ihn den lebendigen Odem Gottes, 
den lebendigen Hauch der Gottheit. 
Der Mensch ist frei. Kein strenger Zwang beherrscht ihn, wie er 
die unorganisehe Natur unbeding't fesselt. Auch kein Instinet bändigt 
und leitet ihn in der Art, wie er es beim Thiere wahrnimmt. Wohl steht 
noch ein thierisches Theil in dessen Bann, aber darüber waltet die 
Vernunft. Sie muss prüfen, wählen. Wo es Wahl gilt, da ist ein Bes- 
seres, ein Schlechtere-s. Recht und Unrecht ist überall zu erkennen und 
zu scheiden. Dem Guten ist zu folgen. Durch Zwiespalt und Kampf 
muss sich der Mensch emporringen; wo er seiner besseren Stimme nicht 
folgt, zerfallt er in sich und hat das Gefühl der Sünde. S0 hat er seinen
        

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