Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177807
Sch 
Das 
Wahre 
und G1 
Denkens in den Vordergrund, die uns Wissen schafft über 
unsere Empfindungen des Schönen, während bei dem Wollen 
(Handeln) die That selbst das Irlauptsächliehste ist und das Können 
die Hauptbedingung beim Schalten des Schönen wird. Dass auch zum 
Handeln wieder Empfinden und Erlaennen gehört, wo es richtig aus- 
geführt werden soll, ist klar. Als Emptindungslehre d. h. als Wissen- 
schaft hat es nun die Aesthetik sowohl mit dem Wissen des Empfindens 
als dem des Wollens oder "Könnens zu thun. Das Können des Schönen 
ist die Kunst. So begreift die Jlesthetik sowohl die Philosophie des 
Schönen als der Kunst in sich. 
Es ist vielfaehStreit darüber gewesen, wie diese Dreiheit: Schönes, 
Wahres und Gutes nun zu ihrer Einheit stehen, deren Ausfluss sie sind 
und deren Ilarinoriie sie bilden. Der Eine behauptet, das Schöne sei 
das Höchste; es sei die Harmonie des Wahren und Guten; ein Andrer 
nimmt für das Wahre die erste Stelle in zknspruch und sieht im Wahren 
das Schöne und Gute vereint (das Schön-Gute), ein Andrer wieder for- 
dert dasselbe für das Girte, das an sich das Schöne und Wahre sei. 
Von einem Vorrecht, das könnte man schon hieraus ersehen, kann für 
keines die Rede sein; jedes, das Schöne, das Wahre und das Gute ist 
für sich gleichberechtigt, gleich wichtig oder göttlich, wie Platon es 
nennt, ist aber auch in gleicher Weise mit den andern harmonisch ver- 
bunden. Nur vereint bilden sie die volle Harmonie, zeigen sie das 
Wesen des Menschen in seiner höchsten Entwicklung. 
Wem aber, wie nicht selten, der Zank über die Vorberechtigung 
vorkommt, bei welchem gewöhnlich für die Aesthetik die Kunst, für 
die Ethik die Religion gegen die Philosophie gesetzt wird, der erinnere 
sich an die Erzählung von dem Mann mit den drei Söhnen. Wer ist 
der geliebteste Sohn seines grossen Vaters? Wer hat den Ring  der 
eKünstler, der Philosoph oder der Gläubige? Er spreche getrost mit 
dem Richter: 
Denkt ihr, dass ich Räthsel 
Zu lösen da bin? Oder harret ihr, 
Bis dass der rechte Ring den Mund eröffne? 
Doch halt! Ich höre ja, der rechte Ring 
Besitzt die Wnnderkraft, beliebt zu machen; 
Vor Gott und Menschen angenehm. Das muss 
Entscheiden! 
Er mag noeh weiter mit den Worten des Richters reden. 
Das Schöne, Vilnhre und Gute bildet zusammen das Ziel, wie beim 
einzelnen Menschen, so beim Volke, so beim Mensehengesehleeht. 
Mit ihrer Harmonie ist das Höchste erreicht. Natürlicher Weise ist 
auch nur eine Annäherung an solche Vollkommenheit sehr schwer und 
Sehr Selten. Gewöhnlich werden wir zufrieden sein müssen, wenn wir 
im Nacheinander der Zeit ein Streben zu den einzelnen Zielen und 
eine Annäherung daran entdecken.
        

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