Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179898
I)er 
Engländer. 
219 
ausübt  das Comibrtablc. Dieser Realismus zeigt sich auch in der 
Kunst, wo freilich einige der bedeutendsten Leistungen eine classischti 
Steigerung in's Ideale und die grossartigste Vcrquickung mit demselben 
zeigen. Durchschnittlich aber bleibt sein Realismus an der gewöhnlichen 
Wirklichkeit. kleben. In der bildenden Kunst ist deshalb nicht viel von 
ihm zu rühmen; nur dort, wo er sich unmittelbar an die Natur an- 
sehliesscn kann, zeigt er grosse Stärke, so z. B. im Portrait und in der 
Thiermalerei, auch in der Landschaft, soweit keine ideale Auffassung 
verlangt wird. Der Wohlstand des Volks, die gute Nahrung, hat bei den 
gesunden kräftigen Anlagen die besten Folgen gehabt. Der Engländer 
gehört zum kräftigsten lilensehenschlag (11 englische Arbeiter sollen durch- 
schnittlich 5 deutschen und 6 oder 7 Franzosen in Leistung schwerer 
Arbeit gleichkommen). An Wuchs zeigt er sowohl einen hageren, eckigen, 
knochigen Typus, als kurzen, runden, stämmigen. Das Gesicht ist mei- 
stens durch Schärfe und Bestimmtheit des Schnitts ausgezeichnet. 
Der Engländer ist ein Freund aller körperlichen Uebungen, die 
Kraft und Ausdauer erfordern; selbst der Lauf und das Gewandtheit 
verlangende Ballspiel finden die eifrigsten Verehrer. Boxen, Rudern und 
Reiten sind beliebt und geübt. Männliche Kraft ist immer der Bewun- 
derung gewiss und wird beim Volke so hoch wie jede andere Begabung 
gepriesen. Daher kommt es aber auch, dass sie mit einer Wissenschaft- 
liehkeit und Sorgfalt gepflegt wird, die nur in Griechenland und in der 
römischen Gladiatorencaserne ihres Gleichen gefunden hat, und dass 
sich eine vollkommene Technik dafür herausgebildet hat  das Trai- 
niren. Ausserordentliche Resultate sind dadurch erzielt, die weder den 
Ergebnissen der olympischen Spiele noch denen der Arena nachstehen. 
Das Uebel eines Preisfechterthums ist freilich ebenfalls nicht ausge- 
blieben, hat jedoch bei der allgemeinen sclbstthatigen Theilnahme des 
Volks doch noch nicht über-massig ausarten können. Das Boxerwesen 
steht allerdings nicht mehr auf der zu erlaubenden Gränze, sondern ist 
durch die grossen Preiskampfe zwischen englischen und americanisrshen 
Boxern weit darüber hinausgeschoben. Dass Athleten sich darin produ- 
eirtcn, hat nichts Besonderes auf sich. Dass sie aber durch Faust- 
schläge eine so unsinnige Bewunderung und Aufregung, solcl1e'alberne 
Vergötterung erweckten, ist für die zwei gebildeten Nationen ein ebenso 
schlimmes Zeichen, als wenn ganz Frankreich über ein unsittliches 
Theaterstück oder über einen faulen Roman in Extase gerath. Die 
Thierhatzen (Hunde- und Habnenkampfe u. s. w), dicnoch jetzt in Flug- 
land beliebt sind, zeugen von Rohheit. Die Ruderkämpfe und Wett- 
fahrten mit Segelbooten sind überall nachahmungsivürdig.i?) 
"Ü Warum, so muss ich hier wiederholen, warum schafien sich unsere 
Fürsten und Reichen nicht Jachten an, wie die englischen Lords! Könnte 
nicht in Elbe und Weser eine Stattlißlle Flotille liegen, bcmannt mit älteren, 
tüchtigen hlatroscn, denen dadurch ein halbes Gnndenhrod gegeben würde?
        

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