Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179765
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Staaten. 
Völker. 
Das 
Alterthum. 
Nutzens, der nicht für sich, sondern stets im Streben nach einem 
Ausser-ihm-liegenden gedacht werden muss, dadurch von ungeheurer 
Wucht. Voll der nachhaltigsten Energie kannte er nicht das süsse 
Verweilen im Augenblick und den harmonischen Genuss. Das schöne 
Maass war nicht sein Streben, sondern die Pflicht trieb ihn und statt 
der Billigkeit das Recht. 
Rom hat uns eine Menge gewaltiger Gestalten geliefert, aber wenig 
schöne und dieseWenigen nur unter dem Einflusse griechischer Bildung. 
Rauhigkeit, grossartige Strenge, unbeugsame Energie überwiegen weit 
die Oharacterzüge, die wir bei dem Hellenen gewohnt sind zu sehen. 
Als die Römer mit den Griechen bekannter wurden, waren diese 
langst von ihrer wahren Höhe gesunken. Aus dem wohlberedten, den- 
kenden Volke waren Sophisten und Aller-Welts-Weise geworden: aus 
den Helden Raufboldc, aus den llrlustern edlen Anstandes und der Grazie 
"Pändler und Bummler. Wie der griechische Einfluss sich in das Römer- 
thum hineindräiigte und es endlich zersprengte, gehört nicht hieher. 
Genug, dass er auf die Volksbildilng in körperlicher Hinsicht weniger 
bestimmend war, als in geistiger. An Kraft fühlte sich der Römer dem 
Hellenen gleich, an kriegerischer Tüchtigkeit ihm überlegen. S0 empfand 
er in dieser Beziehung weniger das Bedürfniss von ihm zu lernen und 
entzog sich lange Zeit jeder Einwirkung. 
Der Grieche suchte sich körperlich zu einem schönen Menschen 
auszubilden, der Römer zu einem Soldaten. Fleissig übte sich Jung 
und Alt auf den Uebungsplatzen; Reiten, Laufen, Springen, Ringen, 
Speerwurf und dann Fechten mit dem hölzernen Schwert waren die 
Hanptübungen; zu einem Gymnastenthum ist es aber nie gekommen. 
Die Römer urtheilten darüber, wie Platon von der Athletik. Ausdauer, 
Ertragung von Entbehrungen, das Massengefecht  darauf kam es 
ihnen hauptsächlich an. Man wäre versucht, den alten Cato als Muster 
eines Römers, gegenüber einem durch und durch gymnastisch ausgebil- 
deten Griechen aufzustellen. "Er schlug mit seinen Händen eben so 
tapfer zu, als er mit seinen Füssen steif und unbeweglichrstehen blieb 
und seinen Feind keck und stolz ansahe," wie er denn auch auf den 
Soldaten nichts hielt, "der auf dem Zuge die Hände und im Streite die 
Füsse bewegt." 
Schon die Fechtweise, die grossen Massen, die ununterbrochenen 
Kriege stellten sich einer eigentlichen verfeinerten, künstlichen gym- 
nastischen "Ausbildung entgegen. Der abgehärtete Bauer war ein guter 
Legionär, sobald ihn die strenge Disciplin geschult hatte. Der Schmuck 
hat Werth, wenn Zuschauer da sind, die ihn bewundern. Um ganz 
von der Massenwirknng bei den Römern abzusehen, so hatte es einen 
anderen Sinn, sich bei den Spartiaten, Athenern oder Thebanern durch 
Schönheit, Gewandtheit, Rhythmus aller Bewegungen hervorzuthun, 
wo alle die künstlerisch durchgebildeten Stämme um den friedlichen
        

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