Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179741
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Staaten. 
Völker. 
Das Alterthuln. 
besten Ebenmaasse der Seele zuführt, von dem lasst sich am richtigsten 
sagen, dass er ein vollkommener Musengenoss und Kenner der Har- 
monie sei, viel mehr als von demjenigen, der die zusammenklingenden 
Saiten zu treffen weiss." 
Die Schlussworte des Sokrates mögen denn im eigentlichsteil Sinne 
hier ihre Stelle finden: „Dies wären nun ohngefäln- die Grundrisse 
unserer Erziehung der Jugend im Unterricht und in der Lebensart. 
Denn was sollte Jemanden von uns bewegen, bei dieser Sache weitläufig 
von Tanz und Jagd mit Hunden und ohne Hunde, von Kämpfen ent- 
blösster Ringer und Wagenrennen zu reden? Denn es ist klar, dass 
diese Dinge fast eben wie das Vorhergehende und zufolge obiger Grund- 
sätze angeordnet werden müssen, und man kann sie nunmehr ohne viele 
Mühe von selbst erkennen." 
Neben der eigentlichen Gymnastik wurde bei den Griechen, wie 
die Musik, so die Tanzkunst, die Orchestik gepflegt. Sie besonders, die 
nicht wie bei uns in einem Festhalten und Aneinanderpressen zweier 
Menschen und einer rapiden Rotation um eine Mittelaxe bestand, sollte 
den Bewegungen Rhythmus und Harmonie verleihen, während die 
musische Kunst, welche die schönsten Lieder lyrischer Dichter zur 
Laute vortragen lehrte, dieselben der Seele überhaupt einflösste. „Denn 
Schönheit des Rhythmus und der Harmonie muss durch's ganze Leben 
des Menschen herrschen." Vom lustigen Slaringtanze der Jugend und 
der Frauen stieg der Tanz auf zu herrlichen Watfentänzen und den ver- 
schlungensten Reigen, eng sich mit der seelenvollsten oder ausgelassen- 
sten Mimik verbindend. 
Das war griechische Erziehung. So waren die Männer gebildet, 
die, bei Marathon die Hunderttausende schlagend, den Triumph edler, 
gebildeter Menschlichkeit über Barbarenthum verkündeten  an Geist 
wie an Körper die Besten. Wie bei wenig verhüllender Kleidung oder 
bei der Nacktheit des Kampfes der Anblick so schöner und kräftiger 
rhythmischer Gestalten den bildenden Künstler anregen und belehren 
musste, ist leicht einzusehen. Ohne Gymnastik keine Götterbilder und 
menschliche Idealgestalten, wie sie die griechische Plastik in göttlicher 
Schönheit und Hoheit gebildet hat, vor welchen wir in Ehrfurcht, 
Staunen und Bewunderung oder in Schwärmerei verloren stehen  
Bilder, die auch des Körpers Göttlichkeit mit überwältigender Macht 
uns lehren. Eng mit der Gymnastik zusammenhängend waren die grie- 
chischen Feste. An ihnen wurde Alles, was schön, edel und kraftvoll, 
geprüft. Als die höchsten galten die olympischen Spiele. Vor den 
Tausenden und aber Tausenden des ganzen Griec-henlandes und aller 
hellenischen Genossenschaften der Fremde wurde dort um den Sieger- 
kranz gerungen; freie, edle Männer die Wettkämpfer. Ein ganzes be- 
geistertes Volk klatschte Beifall; ein. Pindar sang in Hymnen den Sieg, 
ein Herodot sagte den Ruhm grosser und merkwürdiger Thaten, sie vor
        

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