Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179719
Die 
Griechen. 
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baren musste. An der Haltung allein, behauptete man, war jeder 
Grieche unter Barbaren zu erkennen. Die Hauptstämme der Hellenen 
unterschieden sich auch in der Gymnastik durch die Verschiedenheit 
der Ziele, die sie sich gesteckt hatten. Wenn der heitere Jonier neben 
der körperlichen Kraftausbildung hauptsächlich einen leichten, gefälli- 
gen Anstand, schönes Ebenmaass und Geschmeidigkeit im Auge hatte, 
so trachtete der ernstere Dorer mehr nach Abhärtung, Ausdauer und 
gemessener Würde. Er behielt übrigens am meisten den wirklichen 
Krieg im Auge und verachtete deshalb den Faustkampf und den Pan- 
kration (Ringen und Faustkampf verbunden) als unbedeutend für das 
Wßiffengefecht und entstellend für den Körper. Durch dicke Leder- 
riemen und selbst durch Bleiplatten ward bekanntlich der Faustkampf 
gefährlicher gemacht und das Gesicht der Kämpfer, besonders die 
Ohren, Verstümmelungen ausgesetzt. 
Ausser den genannten Uebungen waren hauptsächlich die Wagen- 
kämpfe beliebt; auch Wettkämpfe im Bogenschiessen, dann im Watten- 
kampfe überhaupt, im Reiten u. s. W. fanden statt. 
Unübertreiiiieh hat uns Homer diese Wettkämpfe im 23. Buch der 
Iliade geschildert; dann giebt er uns auch in der Odyssee eine herrliche 
Vergleichung zwischen dem in allen gymnastischen Uebungen ausgear- 
beiteten Helden und den weiehlicheren Bewohnern des Phäakenlandes, 
zu denen Sybariten als Modell gesessen haben könnten. Der gereizte 
Odysseus schilt den jungen Phäaläen, der seiner spottet, weil er in der 
'I'rübsal des Herzens keine Lust zum Wettkampfe hat und der ihn einen 
Geld scharrenden Handelssehitfcr nennt, keinen Kämpfer   . 
Spraclfs und mitsammt dem hlantel erhub er sich, fassend die Scheibe, 
Grösser noch und dicker und lastender, nicht um ein Kleines, 
Als womit die Phäaken sich übetcn unter einander; 
Diese schwang er im Wirbel und warf aus gewaltiger Rechten. 
Laut hin sauste der Stein; da. bückten sich schnell zu der Erde 
Ruderberühnxte Phäaken umher, schiffkundige Männer 
Unten dem Schwunge des Steins, und er flog weit über die Zeichen 
Fortgeschnellt aus der Hand    
Die Phäaken begütigen den Zürnenden, der sie nun zum Faust- 
kampf, Ringen und Wettlauf herausfordert; sie selber sind, wie ihr König 
gegenüber solchem Wurfe sagt, keine Meister im schweren Kampfe: 
Nicht als Kämpfer der Faust siegprangen wir oder als Ringer; 
Aber im NVentlauf fliegen wir rasch und als Meister der Schifffahrt; 
Auch ist immer der Schmaus uns lieb und die Laut? und der Reihntanz 
Und oft wechselnder Schmuck und ein Wärmendes Bad und ein Ruhbett  
Wenn wir am Grabmal des Patroklos die herrlichen Helden unter- 
einander, bei den Phäakeil den Gymnasten und die Weiclxlinge im Wett- 
kampfe sehen, so schildert der Faustkampf mit dem Iros uns den edlen 
königlichen Mann  königlich auch an Leibesstärke -mit dem grossen,
        

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