Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179708
200 
Staaten. 
Völker. 
Das Alterthum. 
Cambridge und Oxford im Wettrudern herausfordern könnten, warum 
denn Alles  Kraft und Geld  auf Paukenoder Kneipen verwandt 
werden soll, ist nicht einzusehen. Statt dessen herrscht leider häufig 
als guter Ton der schlechte Ton, ein lässiges, ja körperlich träges 
Leben zu führen und Anstrengungen, die nicht dem F echtboden ange- 
hören und hier dem sonderbaren Schlagcomment allein, so viel wie 
möglich zu vermeiden. So wenig Deutschthümelei, so wenig sollte 
Dandythum unsere Universitäten beherrschen. Die Reichsten können 
mit dem besten Beispiele vorangehen. Nirgend anders sind so die Be- 
dingungen gegeben, nach schöner harmonischer Ausbildung des Geistes 
und des Körpers zu streben, die gleich weit von Einseitigkeit wie von 
Zcrfahrenheit, von Zwang wie von Willkür, von Kopfhängerei wie 
von Liederlichkeit, von Aeugstlichkeit wie von Renonnnisterei ent- 
fernt ist. 
Doch genug dieser Einzelbemerkungen. Betrachten wir kurz die 
ausgezeiehnetsten Völker, wobei wir ein Hauptaugenmerk auf die Aus- 
bildung der körperlichen Schönheit durch Gymnastik, Spiel und dergl. 
richten wollen. Ich beginne sogleich mit dem in jeder Beziehung elas- 
sischen Volke der Griechen. 
Wohl hat der Himmel und die Erde die Griechen bei ihrem Streben 
nach dem Schönen begünstigt, aber man muss gestehen, dass sie sich 
selbst und der Arbeit das Meiste zu verdanken gehabt haben. Musik 
und Gymnastik waren ihre Erziehungsmittel zur schönen geistigen und 
leiblichen Harmonie. Sollte die musische Erziehung die Seele mildern 
und harmonisch machen, so die Gymnastik den Körper zu Gesundheit, 
Schönheit und Kraft ausbilden. Gesunde Seele im gesunden Leibe war 
ein griechischer Spruch. Jahrhunderte hindurch haben sie sich hierin 
auf der Höhe gehalten, ehe die Gymnastik in Tändelei oder in Athleten- 
thum ausartete, das zu nichts mehr Nutz war, als sich auf dem Kampf- 
platze abzubalgen und Bravourstückchen zu zeigen. In ihrer reinsten 
Form erstrebt die griechische Gymnastik, wie wir sie im sogenannten 
Pentathlon gipfeln sehen, Kraft, Sicherheit und Schnelligkeit, deren 
Vereinigung dem Manne die höchste körperliche Tüchtigkeit geben. Die 
Uebungen und Kämpfe des Pentathlon oder Fünfkampfes bestanden 
in Laufen, Springen, Ringen, Diskos- und Speerwerfen. (Einzelne 
Leistungen im Springen, die uns berichtet werden, sind geradezu un- 
glaublich, so die des Krotoniaten Phayllos, der über 50 Fuss weit ge- 
sprungen haben soll, während jetzt ein Sprung von 18 Fuss eine ausser- 
ordentliche Leistung ist.) So wurden der ganze Körper, Arme, Beine 
und das bei jedem Kampfe so wichtige Auge gleichmässig geübt durch 
Ringen, durch Lauf, Sprung, den schweren und leichten Wurf. Aber 
nicht Kraft und Gewandtheit für den Kampf war das einzige Ziel; nicht 
minder wichtig galt, von der Gesundheitspüege ganz abgesehen, die 
schöne Haltung, die in jeder Bewegung, in Stand und Gang sich oden-
        

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