Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179690
Staaten. 
Völker. 
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gelöste Fechtart zu bilden gesucht. Beim Krieger muss strenger Zwang, 
unerbittliches Regiment herrschen; daneben möchte aber der Freiheit 
Spielraum im freien Spiele zu geben sein. Zuerst folge man dem Bei- 
spiele Englands und Frankreichs: man ziehe die Soldaten in der ge- 
sunden Jahreszeit aus den dumpfen Kasernen und dumpferen Bierstuben 
und lasse sie ein Lagerleben führen. Den strengsten Dienst löse eine ge- 
nügende Erholungszeit ab. Man setze  ausserdienstlich  Preise aus 
für den besten Springer, Läufer, Stockschlager, Fechter, Steinwerfer, 
Mauern- und Baumkletterer, Schwimmer, Ringer; man gebe Gelegen- 
heit auch ausser Dienst sich im Schiessen und Fechten zu üben. Man 
errichte an den Schiesständen und an dem Sehiessplatz des Lagers 
Tafeln mit den Inschriften der Sieger, darauf die Treffer der Schüsse, 
die Distanzen und die Zeit, in der sie eine Bahn durchlaufen, das Ge- 
wicht der Steine, die sie geschleudert haben, u. s. w. verzeichnet sind. 
Den besten Reitern der Sehwadronen könnte man zuweilen die Pferde 
zu einem Jagdrennen oder zu einem Gefechte mit stumpfen Stangen 
oder hölzernen Schwertern geben; durch den Nutzen würde der etwaige 
Schaden doppelt aufgewogen. Ein solches Lager wäre sowohl als 
Uebung, als auch zur Erholung für den Soldaten gut. Die Garnison 
wird ihm ganz anders wieder gefallen; das Hinlenken des der Jugend 
so natürlichen Ehrgeizes auf Körperkraft und Geschmeidigkeit würde 
manche andere Grillen und rohe Ausbrüche verbannen, die jetzt durch 
übermassiges Zwängen und Einschnüren nur befördert werden und durch 
noch grössere Strenge wieder im Zaume gehalten werden müssen.  
Müsste bei der Jugend die Gemeinde, bei den Soldaten der Staat füglich 
eingreifen, so könnte die deutsche studirende Jugend sich ganz allein 
helfen. Die Anläufe, das Universitätsleben aufzufrischen, sind bekannt- 
lich lange gemacht, haben aber noch wenig Erfolg gehabt. Der deutsche 
Student könnte in seiner Freiheit, bei seinen Mitteln, bei allen anderen 
Hülfsmitteln, die der Staat gewährt, einen idealischen Stand bilden. Er 
krankt jedoch am übermässigen Kneipenleben und an den Paukereien, 
deren einseitiges Für oder Wider Alles zu beherrschen ptiegt. Die 
Watfentibung an und für sich ist durchaus zu loben, aber diese Waffen- 
übung ist durch thöriehte Bestimmungen, wie geschlagen werden soll, 
ausgeartet. Das jetzt gebräuchliche Schlägerfechten widerspricht allen 
Principien eines wahren Fechtens, das stets auf einen wirklichen Feind 
berechnet sein muss, der nicht lange fragt, wohin er schlagen darf und 
dem die Seite oder den Arm zu treffen gerade so wichtig ist, als den 
bestimmten Fleck auf der Brust oder im Gesicht. Unsere Studenten- 
schaft könnte zu ihren Vorzügen leicht die anderer Nationen hinzufügen. 
Das Turnen ist ihnen geboten. Aber warum Studenten und Akademiker 
sich nicht ebensogut im Ballsehlagen, Rudern u. s. w. üben könnten, 
wie englische Studenten, warum die Verbindungen sich nicht, wo Ge- 
legenheit dazu vorhanden, ein oder zwei Rennboote anschaffen und wie
        

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