Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179626
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Der 
Mensch 
seiner 
Th äti gk eit. 
betrifft, so will ich hier (aus Schwenläs Mythologie) das sehr bezeich- 
nende alt-nordische Gedicht der Edda, Rigsmal, anführen, das ihre 
Entstehung durch Heimdallr also erzählt: 
„Man sagt, es ging auf grünen Wegen der starke und anständige 
As, der vielwissende, kräftige und muntere Rigr. Er kam an ein Haus 
mit odenei- Thür und ging hinein, Feuer brannte auf dem Estrich. Da 
sassen die grauen Gatten Ai und Edda (Urgrossvater und Urgross- 
mutter). Rigr setzte sich auf die Bank, die Gatten zu seinen beiden 
Seiten. Edda brachte dann schweres Kleienbrod, setzte eine Brühe auf 
und ein gesottenes Kalb. Hierauf legte sich Rigr zu Bett, die Gatten 
zu seinen beiden Seiten. Nach (lrei Nächten ging er weiter und nach 
neun Monaten gebar Edda ein Kind von dunkler Haut und sie tauften 
es Throel (Knecht). Dieser wuchs heran, bekam runzelige Hände, 
krumme Knöchel, dicke Finger, hässliches Gesicht, krummen Rücken 
und vorstehende Fersen, und lernte Bast flechten, Lasten zurecht ma- 
chen und trug täglich Reissig nach Haus. Da kam eine herumziehende 
Frau mit Narben an den Fusssohleln, den Arm von der Sonne verbrannt, 
die Nase eingedrückt, die hiess Thyr (Magd). Throel und Thyr liebten 
sich und zeugten Kinder (ich gebe nur die Uebersetzung der Namen) 
Russig  Ochsenhirt  Ungeschlacht  Dick  Haderer  Stinker 
 Klotz  Dickgemästet  Trendler  Heiser  und Vor-gebückt. 
Die Töchter waren: Klotz, Dick wie ein Stumpf  Warzenwade  
Krummschnabel  Herumtoberin  Dienerin  Eichenstange  
Fetzenkleid  Kranichbein. Von diesen stammen alle Knechtsge- 
schlechter." 
„Rigr kam hernach an ein Haus mit halbgeschlossenei- Thür, ging 
hinein, Feuer war auf dem Estrich und die Gatten waren beschäftigt. 
Der Mann hobelte Holz zum Weberbaum, sein Bart war ordentlich be- 
sorgt, sein Haar vorn in einem Umschlag, ein Kasten stand auf dem 
Estricln Die Frau spann; vom Kopfe hing das Schleiertucli auf die 
Brust, um den Hals war ein Tuch, auf den Schultern ein Schmuck. 
Aii und Amma (Grossvater und Grossmutter) besassen das Haus  
Amma gebar nach neun Monden einen Knaben, den sie in der 'l'aufe 
Karl (Mann) nannte. Roth war er und frisch, mit funkelnden Augen 
(nach Simrock). Er wuchs heran und lernte Ochsen zähmen, den Pflug 
machen, Häuser bauen, Scheunen errichten, Wagen machen und den 
Pflug führen. Dann holten sie eine Frau, die Schlüssel anhängen und 
ein Geissfell umgethan hatte und gaben sie dem Karl. Sie hiess Snör 
(Rasch) und gebar ihm den: freien Mann  Tüchtig  Freibauer  
Schmied  Breit  Hausvater  mit gebundenem Bart  Nachbar 
 Stutzbart  Sich vertrauend. Ihre Töchter waren: Schmuck  
Braut  kluge Jungfrau  herrische Jungfrau  Tüchtig  Weib 
 Schamhaft  Gürtel. Von diesen stammen die Geschlechter der 
Karle (der freien Ackersleute und Handwerker)?"
        

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