Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179570
Bauer, 
Fischer, 
Handwerker. 
Seemann, 
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Schiff gebunden, nur die überall ähnlichen Häfen und zeigt sich in der 
Empfänglichkeit für solche Eindrücke wohl noch öfter stumpf als phan- 
tastisch. Im Wasser steckt grosser Realismus. Musik, Tanz, Sang, 
Erzählung, dann Körpcrsehmuck  darin zeigt er hauptsächlich seinen 
ästhetischen Sinn, Schnitzwerk und Farben nicht zu vergessen. An- 
streichen muss er Alles, was anstreichbar ist; schon die dira necessitas 
nöthigt ihn dazu, indem sie ihm den Theerquast in die Hand drückt, 
um das Schiff wasserdichter zu machen. 
Von Wuchs zeigt sich der Seemann nicht so normal wie der Bauer. 
Es scheint, als ob das niedere Deck, darunter er lebt, ihn niederdrückt. 
Er ist meistens untersetzt, der Oberkörper auf Kosten des Unterkörpers 
entwickelt; Brust und Arme sind verhältnissmässig weit stärker als die 
Beine. Bekannt ist der in Folge der Beschäftigung gespreizte, rollende 
Gang, der dem schwankenden Deck und der Balance darauf angepasst 
ist, aber auf dem festen Boden ziemlich possirlich erscheint. Eigen- 
thümlich ist auch die Haltung der Arme und Hände. Beide werden 
ziemlich krumm getragen; die Hand, nach welcher der Matrose bei den 
Engländern auch getauft ist  es heisst: Alle Hände an Deck!  ist 
zur echten Zange geworden. Seine lärmenden Freuden  dem Lärmen 
des Meeres angemessen  will ich hier übergehen. Nur eins: sein 
grosser Durst ist durch den steten Anblick des Wassers zu entschul- 
digen; da dies aber ungeniessbar ist, so liebt er es nicht als Trunk in 
seiner puren Natürlichkeit, sondern zieht es gebrannt vor, wodurch er 
auch von innen seinen Körper gegen den Einfluss der auf dem Meere 
stets "fuchtigen" Witterung heizt. Doch es wird Zeit, von Bruder 
Theer Abschied zu nehmen. 
Zwischen Bauer und Seemann steht der Fischer. Der volle Meer- 
hauch trifft ihn nicht, er kommt nicht über seine Küste hinaus. Seine 
Arbeit  des Netzestrickens wie des Fischens  ist sehr eintönig und 
sehr beschwerlich durch Wind und Wogen, denen er'Fahrt und Fang 
abzuringen hat. So wird er hart, wetterfest, aber einförmig in seinen 
Gedanken. In rauhen Klimaten mit Kleidungsstücken zum Schutze 
gegen Wind, Frost und Nässe überladen  denn beim Segeln seines 
Bootes macht ihn keine Arbeit warm  wird er der schwerfälligste 
Mensch. Unter- und Ueberkleider, namentlich aber die ungeheuren, 
schweren Stiefel lassen ihn plump erscheinen und machen ihn auch 
plump. 
Als Bürger wollen wir den eigentlichen Stammbürger, den Hand- 
werker, betrachten. Dieser zeigt je nach seinem Geschäft die grösste 
Verschiedenheit. Im Ganzen kann man ihn in Stubenarbeiter und den 
des freien Himmels theilen. Die Stubenhandwerker sind hinsichtlich 
der Körperbildung meistens difform, besonders durch Rückenhaltung 
und Beinstellung, die sie anzunehmen gezwungen sind. Der Drechsler 
hat gewöhnlich ein schiefes Bein vom Treten des Rades, der Schuster
        

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