Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179561
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Der Mensch 
in seiner 
Thätigkeit. 
nicht, wenn der Sturm kommt und die Segel beschlagen werden müssen. 
Der Tod gähnt jeden Augenblick unter ihm; nur seine Geschicklichkeit 
vermag ihn zu retten. Das macht den Menschen kühn, selbstgewiss, 
giebt ihm etwas Trotziges, Herausforderndes. 
Schiff. 
Das freie Meer befreit den Geist; 
Wer weiss da, was Besirmen heisst! 
Da fördert nur ein rascher Griff, 
Man fängt den Fisch, man fängt ein 
(Faust. 
Diese Kühnheit, dieser Trotz leuchtet aus jedem Seemannsauge, das 
ausserdem durch den steten ungehemmten Blick auf die wogende Un- 
ermesslichkeit des Meeres scharf und hell und durch den Blick in die 
Takelage weit und hochschauend wird. Offenheit und Derbheit charac- 
terisiren ferner den Seemann. Von Sentimentalität hat er nichts, denn 
das Element, auf dem er sich abmüht, zeigt selber davon keine Spur 
und bleibt gegen Weichmüthigkeit so ilnempfindlieh, wie gegen die 
Ruthenstreiche eines Kaisers. Alles will ihm durch Geschicklichkeit 
oder Stärke abgetrotzt sein. Da der Seemann nun im Gegensatz zum 
Bauern immer mit dem Augenblick zu kämpfen hat, so hat er auch 
nichts Hinhältiges oder gar llinterhältiges. Die Erreichung des Ziels 
mit seinem Schitf dauert freilich häufig lange. Elemente hindern, die 
mühselig besiegt werden müssen. Dadurch bekommt der Seemann 
neben aller Beweglichkeit etwas Stetes, Ausdauerndes. Ferner ist er 
ein Ordnungs- und Gesellschaftsmensch; nirgends lernt man besser als 
auf dem Meer, was geordnete Unterstützung Anderer besagen will. 
Doch ist die Selbständigkeit des Einzelnen dabei gross; er ist kein 
Rotten- oder Compagniemensch, der genau dasselbe thun muss, wie 
sein Nachbar. Diese Ordnungsliebe und Zucht bei persönlichem Frei- 
heitsgefühl, dieses Maass in der anscheinenden Ungebundenheit erfreut. 
Eine zusammengearbeitete Schaar Matrosen repräsentirt mindestens die 
Arbeitskraft wie ebensoviele der bestgedrillten Soldaten; sie werden sich 
nirgends im Wege stehen; Alles wird in einander greifen und doch wird 
keine Spur von Antomatenthum sichtbar werden. Der Seemann steht 
hierin zwischen dem Bauern, der nur allein und dem Soldaten, der nur 
in Gemeinschaft zu handeln versteht. Er ist heftig und zeigt diese 
Heftigkeit mehr als nöthig im Fluchen. Seine Geduld wird freilich auch 
häufig überreizt durch den Wind, dem nur Frauenlaunen bekanntlich an 
Unbeständigkeit gleichkommen. Die Leidenschaftlichkeit des Seemanns 
wird gesteigert durch die lange Enthaltsamkeit und die Strenge des 
Dienstes am Bord. Um so ungestümer und rücksichtsloser bricht dann 
die znrückgedrängte Natur hervor. Er ist wild in seinen Vergnügungen; 
trotz seiner Gutmüthigkeit wird er leicht brutal. Sein Leben ist eintönig 
mit schnellen phantastischen Abwechselungen, wenn er fremde Länder 
und gar die anderer Zonen betritt. Meistens sieht er jedoch, an das
        

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