Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179550
ist hell, hat "Jägerblick", den scharfen Blick in die Ferne, der an Baub- 
vögel erinnert. Dabei hat er Neigung zum Mystischen, zeigt sich auch 
sonst wohl beschränkt; er kommt eben wenig aus dem Halbclunlzel 
seines Waldes heraus und sieht nicht viel von der Welt. Unser Förster 
freilich ist meistens kein rechter Jäger mehr, sondern ein derber Gärt- 
ner, der auch Schreiberei verstehen muss. Aber vieler Orten, nament- 
lich in den Gebirgen kann man noch den echten Jäger seilen; man 
Suche ihn da, wo noch ZWÖlfGUÖGI' keine Wunderthieife sind, oder Gem- 
sen klettern, oder die Bauern die Wildsau von den Feldern klappern. 
Der Bauer ist durchschnittlich ein langsamer Patron. Der Gang 
in den Schollen hinter dem Ptluge ist eben langsam. Das drückt sich 
dem Menschen auf. Der Boden ist sein Reich, dahin wendet sich sein 
Blick. Dahinab bückt sich auch Nacken und Rücken, denn Pflug, 
Hacke, Sense, Dreschflegel haben es immer an der Erde zu thun. Die 
Arbeit ist schwer; die Erde selber ist zäh. Nicht Hast, nicht Zusam- 
menraffen aller Kräfte in wenige Augenblicke giebt den Ausschlag, son- 
dern stäte Beharrlichkeit, nachhaltige, gleichmässige Arbeit allein. S0 
wird der Bauer selber langsam, zah, nachhaltig, nie glaubt er etvras auf 
einen Hieb fällen zu können, sondern will Zoll für Zoll Alles abmachen. 
Leicht wird er beschränkt und stumpf, weil der Geist trahrend der müh- 
samen Anstrengungen zu wenig in Anspruch genommen wird. Er ge- 
wöhnt sich, das, was er für höher hält, widerstandslos über sich walten 
zu lassen, so lange es ihn in seiner Hauptthätigkeit ungeschoren lässt. 
Wie er sich in das Wetter und seine Unbill schicken muss, wenn er ge- 
ackert hat, so schickt er sich auch murrend, aber ohne Widerstand zu 
leisten, in obrigkeitliches Regiment. Aber Eingriffe von denen zu er- 
tragen, die er sich gleichstellt, leidet sein Stolz, sein persönliches 
Werthgefühl nicht. Neuerungen liebt er nicht. Wie sollte er es auch, 
der tinabänderlich an Winter, Frühling, Sommer und Herbst gebunden 
ist, der zur bestimmten Zeit pflügen, säen, ernten muss! S0 bekommt 
er etwas Naturstarres. Was ihn in Bewegung setzen soll, muss 
kräftig, derb, handgreiflich sein: helle und grelle Farben, schmet- 
ternde, scharftaktige Musik, gestampfter Tanz, handgreifliche Spässe, 
blutiges Schauspiel u. s. w. erfreuen ihn. Interessant ist die Einwirkung 
der Thiere wie überhaupt so auch auf den Landmann. Der Schäfer 
ist still, eintönig; der Schweinebub nimmt selten seine Säue als ab- 
schreckendes Beispiel; der Ochsenptiüger ist langsamer, schwerfälliger, 
dumpfer als der hitzigere und leidenschaftlicher-e Pferdeknecht. 
Der Seemann hat "ein vom Bauern so dlllwl-llilllß Verschiedenes 
Wesen, wie Wasser und Erde verschieden sind. Wie alle Menschen, 
die schwer arbeiten müssen, kann er herrlich faullenzen. Stundenlang 
am Bollwerk zu stehen und ins Wasser zu spucken, ist ihm nicht zu 
lange, aber wenn dann gehandelt sein muss, ist er rührig, gewandt. 
Alles soll bei ihm auf einen Ruck gehen; Langsamkeit passt für ihn 

        

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