Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179401
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Der Mensch. 
Aufrecht ist der ganze Körper. Der Fuss ruht in bedeutender 
Ausdehnung, auf dem Boden, eine trelfliehe Stütze, um eine gewichtige 
Last zu tragen. Aber er ist auf die Bewegung, nicht für die blosse 
Tragkraft eingerichtet. S0 ist er nach vorn, wohin der Gang sich 
richtet, hinausgezogen. Er ist länglich, nicht ein rundlielier Klumpfuss 
wie z. B. bei dem Elephanten. Gerade stehen die säulengleichen Beine. 
Vom aufrecht sich darüber erhebenden, mehr breiten als tiefen 
Rumpf, der verhältnissmässig wenig Bauch zeigt, lösen sich frei an 
beiden Seiten die Arme ab. Der Unterfuss der Thiere ist hier zur 
Hand geworden, die sich in die feinfühligen Finger endet, von denen 
der Daumen zangenförmig den andern entgegensteht. Senkrecht er- 
hebt sich wieder über den Rumpf der Hals und auf diesem, nicht an 
diesem, wie bei den meisten Thieren, sitzt der senkrechte Kopf. 
Dieser zeigt das Gesicht mit den nach vorn, nicht nach den Seiten 
schauendeil ausdrucksvollen Augen. Das Organ der Nase, sowie die 
Ohren treten frei hervor; der Mund, unter der Nase zurücktretend, 
der Längsaxe entgegengesetzt, zeigt sich in den so feinen, geschwun- 
genen Lippen. Das Fühlen findet in der weichen Haut des ganzen 
Körpers seinen Ausdruck. 
Von vorne betrachtet ist der Mensch symmetrisch, der Höhe nach 
ist er nach dem Princip der schönen, freien Proportionalität gebaut, 
seitwärts zeigt er das freieste,'aber trefflichste Gleiehmaass. 
Die Symmetrie des Menschen ist bekannt. Sie zeigt sich im Ge- 
sieht an Augen, Nase, Lippen u. s. w., dann am Rumpf überhaupt, 
an Armen und Beinen. Doch es ist nicht nöthig, hier das Einzelne 
anzuführen. 
Ueber die Proportionalität der Höhenrichtungen habe ich schon 
früher gesprochen. 
Hier nur noch einige Theilungen Zeisings: Am Kopf fällt die 
Haupttheilungslinic in den Augenbrauenrand. In dem Oberkopf be- 
stimmt die 'l'l1eilung nach dem goldenen Schnitt die Höhe des Haar- 
wuchses als die kleinere Proportion zur grösseren der Stirne. Im Unter- 
gesichte von dem Augenbrauenrand bis zum Adamsapfel fällt die 
'I'hei1ungslinie mit der Basis der Nase zusammen. Von da würde 
wieder eine Theilung, und zwar die grössere, den Vorsprung des Kinns 
treffen. Dadurch theilt sich der Kopf in fünf Theile, von denen die 
drei mittleren gleich sind, nämlich Stirnhöhe, Nasenlänge und Ober- 
lippe mit Mund und Kinn. Gleich unter einander sind denn auch 
Scheitelhöhe und der Halstheil. (Zeising giebt, den ganzen Körper in 
1000 Einheiten getheilt, die Maasse für jene auf 34,441, für diese auf 
21,286 Einheiten an. Den Rumpf theilt Zeising in den Obcrrumpf, 
vom Kehlkopf bis zur Linie, die in Achselhöhlenhöhe über die Brust 
geht und die grösste Breite des Rumpfes ausdrückt, und den Unter- 
rumpf von der Brustmitte bis zum Nabel. Der Oberrumpf zerfällt
        

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