Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179342
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Thierreich. 
Das 
ein furchtbarer Kämpfer. Einstmals herrschte er in den deutschen 
Wäldern als König der Thiere; seitdem geht es ihm freilich bei uns 
schlecht. Seiner Würde durch den Löwen beraubt, muss Meister Petz 
wohl, ähnlich wie Dionys, der Jugend zum Gelächter dienen und den 
Tanzmeister machen. Nur der nordische, weisse Herrscher ist noch 
ungezähmt und immer furchtbar. 
Schöne Thiere weist das Hundegeschlecht auf, die schönsten, wo 
wir die Eigenschaften, auf die es basirt ist  Geschwindigkeit im 
Lauf, Stärke des Gebisses und Muth  mit ansprechenden Formen 
verbunden sehen. Im Fuchs zeigt es sich zierlich und komisch durch 
niederen Bau und den langen buschigen Schwanz. Aber der Fuchs 
ist ein Sclileicher, so gut er auch laufen kann; durch das Nieder- 
drücken bekommt er wohl etwas Marderartiges. Hässlich ist es in 
der starken aber feigen Hyäne, die wir hierher rechnen Wollen, die 
im Kreuze hängt, wodurch der Körper dreieckig wird oder die auch 
den Hals mit dem kurzen schweren Kopfe niedersenkt, wodurch eben- 
falls eine hässliche Thierform entsteht, ein Dreieck mit der Spitze am 
Nacken; Hals, Rücken und Bauch als Schenkel. Ist beim Fuchs der 
Blick der schiefen Augen listig, so wird er bei der Hyäne unheimlich, 
scheu, falsch. Auch der Wolf ist noch ein hässlicher Hund. Sein 
Nacken ist steif angesetzt, ebenso der Kopf; dann geht auch er ge- 
wöhnlich wie kreuzlahm mit abschüssigem Rücken. Das Auge ist 
funkelnd, aber schief, falsch. Das Maul mit den langen Fangzähnen 
ist meistens gierig geöffnet, so die Fresslust betonend. Das Geheul 
aller dieser Arten ist sehr unangenehm, monoton, traurig. Schaurig 
ist das wie Gelächter klingende Geheul der Hyäne.  
Schön ist der echte Hund; doch brauche ich die allgemeinen Merk- 
male hier nicht zu wiederholen. Ein edler Jagdhund, z. B. ein Hirsch- 
hund, "gewaltig, schnell, von flinken Laufen" könnte als Ideal dienen. 
Mächtig wird der Bullenbeisser; furchtbar, ins Hässliche gehend die 
Dogge mit dem vorgeschobenen Unterkiefer; stattlich ist der Neu- 
fuudländer, zierlich das Windspiel, komisch-hässlich der Mops, komisch 
der Pudel durch seine, die Form versteckende Wolle, auch der krumm- 
beinige Dachshund, dessen Muth und Stärke freilich dem Spasse 
Schranken setzt, ferner der Affenpinscher. Der Schäferhund hat viel 
Wolfsartiges, "aber sein Nacken ist nicht so steif, sein Rücken ist 
grade, sein Gangwerk dadurch besser. Uebermässig trocken, Vogel- 
artig (lurch die Kopfbildung und den langen Hals erscheint der Wind- 
hund. Der Spitz bekommt etwas Drolliges durch seinen muftäirtigen 
Pelz und den aufgerollten, auf dem Rücken getragenen Schwanz. 
Des Hundes seelische Eigenschaften muss ich hier übergehen. 
Würden sie doch nicht leicht aufzuzählen sein. Jede Art hat ihren 
besonderen Character, vom Bullenbeisser, der stumm jeden Feind 
packt, auf den er gehetzt wird, während er sonst ein würdiges Phlegma
        

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