Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179271
Die 
Säugcthiere. 
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Das Sangethiei- muss in seinem Rumpfe Raum haben für die ver- 
schiedenen Functionen. Ein zu spiudelförmiger Leib, wie wir ihn bei 
vielen Affen finden, erscheint hässlich. Plumper, an Sackform, dann 
an Fische 6I'lllll6l'l1d0l' Körper gleichfalls, wie bei der Robbe, dem 
Nilpferd, bei Schweinen u. a. 
Die Schuppen des Fisches, die harten Deckgcbilde vieler Amphi- 
bien, die Federn der Vögel haben sich beim Säugethiei- in eine mit 
Haaren bewachsene Haut verwandelt. Wo diese Haut panzerahnlich 
ist oder haarlos, erinnert sie an niedere 'l'hierstufen oder weist noch 
unvermittelt auf höhere. Beides erscheint uns für das 'l'hier ungesetz- 
massig, also abstossend oder komisch. Die Farbe der Bekleidung ist, 
wie (ioethe sagt, eine durchkochte, gemischte. Die Elementarfarben 
Roth, Gelb, Blau sind verschwunden. YVo sie erscheinen, machen sie 
einen widersprechenden, unangenehmen Eindruck. 
Auch in diesem 'l'hierreich werden wir natürlich auf die ver- 
schiedensten andersartigen Gebilde hintibergewiesen. Da weisen diese 
Thiere auf Fische, jene auf Schlangen, jene auf Vögel, einige auf den 
Menschen u. s. w. Auch die verschiedenen Geschlechter haben Ueber- 
gangsstufeu. Das Doppelartige, des Wesens zerreisst in dem Fall die 
Bildung und macht das Geschöpf für uns unharmonisch, komisch 
oder hässlich. 
Betrachten wir zuerst die Säugethiere des Meeres. Die Wale sind 
für den Anblick nicht von den Fischen zu unterscheiden. Ungeheure 
(flrössc zeichnet sie aus. lhre Unförmliehkeit hat oft ihren Haupt- 
grund in dem colossalen Kopfe, mit dem bis an den Rumpf geschlitzten 
Rachen. Zierlicher sind die Delphine, berühmt durch ihre Schnellig- 
keit und die schönen Bewegungsliiiien, in der Wirklichkeit freilich 
wenig den Geschöpfen entsprechend, wie man sie gewöhnlich als die 
musikliebenden Meerrosse des Arion abgebildet sieht. Von den Walen 
zu den Robben hinüber weisen einige Geschöpfe, die namentlich durch 
entwdekelteren Kopf  Schnauze und Lippen  das Thiergeprage 
bekommen. In den Robben setzt sich ein Hals an den üschahnlichen 
Leib, dessen Fnsse nocli flossenartig, aber doch deutlich als solche 
erkennbar sind. Das Ohr ist an dem sich vom Hals wieder abgliedern- 
den Kopfe nur angedeutet, aber Augen, Schnauze, Maul sind ent- 
wickelt, die Augen sogar oft vom schönsten, mildesten, verstandigsten 
Ausdrucke. Es braucht kaum bemerkt zu trerden, dass alle diese 
Formen plump, hässlich oder komisch sind, sobald man den Maass- 
stab des ausgebildeten Iland-Sätugethieres an sie legt. 
Die Arten aller (lieser Land-Säugethiere auch nur flüchtig durch- 
zunehmen, ist unmöglich. Jeder wird übrigens nach den gegebenen 
Bestimmungen im Stande sein, für die Sympathie oder Antipathie die 
Gründe zu finden. Man nehme z. B. die Maus. Das ganze Thier ist an 
die Erde gedrückt. Kopf und Hals liegen in einer Flucht. Die Füsse
        

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