Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179260
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Thierreich. 
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Bewegungen des Nickens, Bückens u. s. w. ihren Ausdruck finden. 
Eine weitere Unnatürlichkeit dünkt uns in dem Nachtleben der Eulen 
zu liegen, da doch die Vögel so recht Lichtfreunde sind. Den anderen 
Vögeln erscheint dies an den Eulen ebenfalls unnatürlich und straf- 
würdig. Das lichtscheue Federgeschöpf, welches so vielfach seine 
Vogelnatur verläugnet, wird von ihnen gehasst und verfolgt. Zeternd 
und schreiend thun dies die kleineren Vögel, metzgerhuxidmässig die 
Krähen, grimmig die Habichte und sonstigen Tßigräuber. Gespenster- 
haft wird die Eule durch ihren leisen, unhörbarexl Flug, dann erschreckt 
sie durch ihre sonderbaren Töne, ihr Schnarchen und ihr bei Nacht 
so unheimlich klingendes Geschrei. 
Die 
Säugethiere. 
Der anfgerichtete Baum war zur Erde geworfen und zum Wurm, 
zum Fisch, zum Amphibium geworden. Dann hatte sich die Natur 
schräg aufrecht im Vogel wieder erhoben, Jetzt fällt sie im Säuge- 
thiere noch einmal wieder nieder. Die Vogelflügel sind zur Erde herab- 
gesunken und Vorderfiisse geworden. Der Leib liegt parallel mit der 
Erde, wie beim Amphibium, aber kräftiger durch die Beine von ihr 
fortgestemmt. Dann ist die entwickeltere Vogelgliederung bewahrt 
und erhöht; Kopf, Hals, Schwanz setzen sich vom Rumpfe ab; dieser 
aber, der beim Vogel im Federkleid einer eiförmigen blasse glich, 
bekommt jetzt reichere Gliederung. Brust, Bauch, Flanken u. s. w. 
beleben ihn. 
Die Sinnesorgane sind auch äusserlich eiltwickelt. Auge, Ohr, 
Nase, Lippen characterisireil den Kopf, und geben besonderen Aus- 
druck des Seelenlebens. Jedes Uebermaass wird auch dabei natürlich 
missfällig oder komisch. So z. B. allzugrosse Augen (NaehtaHen), 
Ohren (Hase), Nase (als Rüssel: Elephant), Lippen (l-Iangemaul des 
Kameels) u. s. w. Verkümmeruxig, Mangel ist ebenso missfällig. 
Das Säugethier (wir schliessen hier den Menschen aus) muss im 
Allgemeinen einen horizontalen Rumpf haben; dieser muss von der 
Erde durch vier Füsse weggehoben sein. Sind die Füsse zu kurz, so 
ist der Eindruck ein wurm-, iisch- oder amphibienähnlicher; zu lang 
werden sie leicht schwächlich erscheinen. Der Hals darf nicht mit 
dem Kopfe die Horizontale des Kopfes fortsetzen, sondern muss sich 
in einen Winkel gegen ihn stellen, der Kopf wieder gegen den IYIals. 
Der Winkel des Halses darf jedoch nicht gegen die Erde hängen; der 
Frasstrieb würde dadurch zu stark markirt sein. Der Schwanz nmss 
ebenfalls vom Körper sich absetzen; ein ähnlich wie bei den Amphi- 
bien verlaufender Schwanz (Känguruh) weist auf eine Untergeordnete 
Stufe. Der Rumpf muss also parallel mit dem Boden, der Kopf muss 
mit dem Halse von ihm weggehobeil sein.
        

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