Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179255
DUllLUUlLUllklUll LUIIM: Jnnvuu uuuu LlLyAlJv, ollNl-IIVAMULIJAV y uövAvmlvlx,  
blühender Flieder und glühende Rosen selber scheinen zu singen. Die 
Frühlingsmacht des Grünens und Duftens klingt und klagt und jauchzt. 
Ebenso bei der Lerche. Wer sieht im Sonnenschein den Punkt in der 
Luft! Sonne und Himmelsbläue, Luft und Strahlen scheinen tönende 
Gestalt gewonnen zu haben. Achnlich beim Fink, ähnlich bei der 
Drossel, die in den Waldbäumen pfeift. 
 Sind die Singvögel niedlich, so sind die meisten Raubvögel herr- 
lich. In vogelmässiger Haltung, aufs schönste gewachsen, stehen sie 
da. Kraft und Muth imponirt uns, denn welche Kraft, welche Kühn- 
heit glänzt aus ihren Blicken! Falken, Adler, welche stolzen Geschöpfe! 
Durch sie hebt sich die NTQg-elxvelt ins Erhabene, ja Furchtbare. Die 
äussere Ruhe mit dem hellen, Alles beherrschenden Blick, gegen dessen 
Macht wir uns förmlich wappnen müssen, um nicht die Augen nieder- 
zusehlagen  wir vermögen sie nicht mehr zu reimen mit der sausen- 
den Wuth, in welche sie sich verwandeln kann. Ucberwältigend wirkt 
wohl der Eindruck, wenn die geschlossene Gestalt plötzlich die mäch- 
tigen Fittige öünet und gleichsam riesig sich erhebt. Luftkönige, ihr 
Symbole eines furchtbaren, nur auf sich selbst vertrauendeii Egoismus, 
Vorbilder all der kühnen Räuber, deren Hand wider Jedermann ist 
wie Jedermanns Hand wider sie! Ihr Aetherschwimmer mit den schar- 
fen Blicken, die aus den höchsten Wolkenhöhen die Erde beherrschen, 
selbst in der Gefangenschaft noch mit den unerbittlichen Seelen und 
den wohl wie in Weissgluth strahlenden Augen! Wenn ihr auf den 
mächtigen F ittigen schwebt, weite Kreise bcschreibend, nun über 
ungeheure Strecken hinsausend, nun emporschwvebend in den Aether, 
wer erblickt in euch nicht die Symbole der Kraft, Majestät, Freiheit! 
Alle Vögel mit federlosen Hautparthien fallen ins Hässliche, weil 
sie die Idee des Vogels, mit der das hüllende Federkleid verbunden 
ist, verletzen. Dadurch werden die meisten eigentlichen Geierarten  
Aasfresscr  unschöner. Aus demselben Grunde erscheinen auch die 
Vögel barock, unnatürlich, deren Federn sich in Haare oder Borsten 
verwandeln, wie z. B. die Kasuare. 
Auf jeder grossen Entxricklungsstufe der Thierwelt scheint sich 
die Natur den Spass gemacht zu haben, ein Vorbild für den Abschluss 
des Ganzen, den Menschen, zu versuchen. So in dem Vogelreich durch 
die Eulen. So schuf sie etwas Komisches für uns, die Vergleicher; 
beziehungsweise auch etwas Hässliches, ja Furchteinflössendes. 
Aufrechte Haltung und das sonderbare nach vorn schauende Ge- 
sicht mit den grossen Augen, sodann die das Ohr bezeichnenden 
Federbüschel setzen die Eule in Widerspruch mit der Vogelnatur. Ihr 
dicker Kopf und Hals, der den Körper am Kopf am dicksten er- 
scheinen lässt, vermehrt die Absonderlichkeiten, die dann auch in den 

        

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