Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179221
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xs Thierreich. 
zu fehlen; sie sieht verkrüppelt aus auf der Erde, schön ist sie in 
ihrem sausenden Flug. Die Hühnervögel sind vorzugsweise zum Laufeii 
geschickt, schwerfallig aber wegen ihrer kurzen Flügel und starken 
unteren Extremitäten im Flug. Man muss sie darum auf dem Erdboden 
sehen  Hühner, Fasanen, Pfauen u. s. w. Die Wasservögel, die 
echten Schwimmer, hingegen leiden meistens bei ihren Bewegungen 
auf dem Lande durch den Bau ihrer Füsse, die zum Rudern und 
Steuern geschickt, mehr nach Analogie der Fische am Hinterkörper 
sitzen, dadurch aber den Gang erschweren und unbehülflich machen. 
Auch ihr Flug ist meistens gewaltsam, wenngleich wohl schnell. Die 
Sumpfvögel sind vielfach komisch, weil ihre Beine, auf das Waten im 
Wasser berechnet, übermassig lang sind, was dann wieder langen Hals 
oder ziemlich langen Hals und sehr langen Schnabel vernothwendigt, 
um von der Höhe auf den Boden zu kommen, und da die Nahrung zu 
nehmen oder zu schnappen. Ein Gleiches war schon von den Scahwimm- 
vögeln zu sagen, die ihre Nahrung am Wassergrund suchen und dazu 
mit dem Kopf hinabtauchen. Nur schöne, meistens S-förmige Biegung 
kann bei übergrosser Länge des Halses dessen ltlissverhaltnisse ver- 
stecken, ja ihnen Reiz verleihen. Alle die Vögel ferner, deren Körper 
wagerecht auf den Beinen ruht, wie z. B. viele Möven, entsprechen 
nicht unseren ästhetischen Anforderungen der Vogelhaltung, die wir 
im Gegensatz zu den niederen Thieren, wie zu den nächst höheren, den 
Säugethieren, schräg aufrecht getragen sehen wollen. Wird der Körper 
senkrecht getragen, der Menschenhaltnng entsprechend, wie vom Pin- 
guin und von Eulen, so wirdidiese Haltung durch den hervorgerufenen 
Vergleich ebenfalls komisch. 
Von den Tausenden von Vogelarten wollen wir hier einige heraus- 
greifen. Zuerst mag hier das kleine Insectenvögelchen, der Colibri 
genannt werden. Es ist ein echtes Sonnen- und Blüthenkind von 
Farbe, an die Insecten durch Kleinheit und schwirrenden Flug er- 
innerml, niedlich, reizend, possirlich  fliegender Sonnenschimnier, 
fliegende Blüthe. Die glänzendsten Farben  Golden, Smaragden, 
Rubinroth, Ebenholz, Himmelblau und Wohl Denlantenhelle in den 
Aeuglein  sind die von ihm erlesenen. 
Ein Schillervogel, grün wie die Blätter oder grau wie Baum- 
stämme, zwischen und an denen er lebt, ist der Papagei, ein drolliger 
Barsch, Tundköpfig, rundschnabelig, "von runden Bewegungen, ein 
Kletterer und somit ein halber Zwittervogel und an und für sich 
komisch, namentlich dadurch, dass er seinen Schnabel zur Bewegung 
zu Hülfe nimmt, und also den Widerspruch vorführt, dass er das 
Fressorgan zum Kletterorgan macht. Er ist ein Schwätzer; die Zunge 
kann ihm gelöst werden und dann kann er pfeifen und Thier- und 
Menschenstimmen nachahmen. Er ist ein vortretflichcs Salongeschöpf; 
gelernte Phrasen weiss er her-zusagen, lasst sich auch gern streicheln 
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