Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179216
Die Vi 
igel. 
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Die Riechorgane öffnen sich in den hornigen Schnabel, der das Gebiss 
ersetzt. Die Ohren haben keinen sichtbaren Ausdruck, ausgenommen 
wenige Vögel, bei denen sie durch Federbüschel markirt werden. Der 
Leib oder Rumpf ist durchschnittlich ungeglietlert. Alles an ihm 
scheint vorne Brust zu sein. Das fleckige, weiche Federkleid, sowie 
die Schwung- und Schtranzfedern zeigen grossen Farhenreichthum. 
Neben den erdigen Farben auch die hellen, feurigen Farben der Blüthen 
und Blätter, also auch Roth, Gelb, Blau, Grün u. s. w. Ein für alle 
Mal soll hier auf den Zusammenhang der Farben mit dem Aufenthalts- 
orte hingewiesen werden, den wir häufig zum Schutz gewaliren. Der 
grüne oder graue Papagei hat die Farbe der Blätter oder der Rinde 
des Baumes, der Adler hat Felsenfarbe, der Colibri ist blüthenfarbig, 
das Schneehuhn weiss u. s. w. Die Stimme ist frei geworden. Wo Luft 
und Wasser sich im Wasservogel verbinden, hören wir mehr Gekreisch, 
Geschnattei- u. dergL, als uns zusagende Töne. Auch die blossen Luft- 
vögel, wie z. B. die Schwalben haben eine wenig melodiöse Stimme. 
Der schnelle Flug würde den Gesang zerreissen. Die Erd- oder Lauf- 
vögel ähneln an Stimme mehr den Landthiercn. Aber wo Luft und 
Erde das Reich des Vogels bilden, da erscheinen die lieblichen uns 
allbekannten Sänger, die mitihrem schmetternden, freudigen Gesange 
Himmel und Erde beleben; da hängt singend die Lerche in blauer Luft, 
tlötet die Nachtigall in den Lauben, pfeift die Drossel im grünen Wald. 
Nach den Fischen und Amphibien "finden wir erst im Vogel wieder 
ein bewegtes, regsames Leben, wie es die lnsecten der höheren Stufen 
zeigen. Nichts mehr von der Regungslosiglteit des kaltblütigen Fisch- 
reichs, die nur stossweise in Bewegung übergeht, in welchem der ganze 
Körper bis auf Schwanz und Flossen unbeweglich erscheint, nichts 
mehr von der gleichen Trägheit der Amphibien, die stundenlang in 
Ruhe verharren, bis sie plötzlich nach einem Ziele schiessen; bei den 
Vögeln ist Alles Leben, Aufmerksamkeit, Umschau, Beobachtung. Wo 
dies nicht der Fall, erscheint uns der Vogel unnatürlich, gegen den 
Vogelcharactcr verstossend, ebenso, wenn nicht die bezeichnete Gliede- 
rung zu sehen ist. Der Vogel wird dann hässlich oder komisch n. s. w. 
Der Vogel gehört dem Luftreich an. Er soll fliegen. Vögel, die 
dies nicht können, mögen an sich, wie die grossen Erdvögel zuhöchst 
stehen, aber sie erfüllen nicht die Anforderungen, die an ihr eigent- 
liches Wesen gemacht werden. Sie erscheinen nicht schön, sondern 
absonderlich, hässlich oder komisch, grotesk u. s. w. Man denke an 
den Pinguin und an den Strauss, diesen Kanguruhvogel, der kein 
rechter Vogel mehr ist, sondern schon als halbes Saugethicr erscheint, 
während jener, der Pinguin, ein Flossen-, ein Fischvogel ist. 
Bei den vielen Verschiedenheiten kommt es darauf an, den 
Vogel, der in mehreren Elementen zu Hause ist, in seinem Haupt- 
elemente zu sehen. Dem Luftvogel, der Schwalbe, scheinen die Füsse
        

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