Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179184
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Thierreich. 
Das 
Bauch, ist so gut wie gar nicht ausgedrückt. Der treffliche Oken sagt 
von ihnen in seiner Naturgeschichte, dass man sie füglich Schwanz 
hinter Kopf nennen könne; die Brust sei beim Fisch in den Kopf und 
der Bauch in die Brust geschoben. Kopf und Körperaxe liegen in einer 
Richtung. Die Fortbewegung scheint dadurch nur dem Nahrungsorgzin 
in (lirectester Weise zu dienen. Von den Sinnesorganen sind nur die 
Augen besonders entwickelt; sie sind gewöhnlich gross und ohne 
schliessbare Lider zur Seite liegend. Aber sie sind noch starr; das 
Innenleben spiegelt sich kaum in ihnen; es schaut. wenig heraus. So 
kann man auch wenig oder gar nicht hineinscliaiieii. Die meisten Fische 
sind behufs der Fortbewegung streng symmetrisch gebaut. DerSchwanz 
ist der Vorwärtstreiber. Am Vorderkörper erscheinen die Vorbilder der 
Vordertiissc, die Flossen. Auch andere Flossen am Bauche, auf dem 
Rücken, pflegen noch die Masse des Fisches zu beleben, indem sie dazu 
dienen, das Gleichgewicht in der aufgerichteteil Stellung seiner an den 
Seiten flach gedrückten Ellipse zu erhalten. Für die Einförmigkeit des 
Körpers muss die Geschwungenheit seiner Linien einen Ersatz bieten. 
Die Stimme fehlt. Das Wasserreich der Tiefe ist stumm. Ein schillern- 
des Schuppenkleid, das schon durch die Gleichmässigkeit seiner Reihen 
erfreut, ziert wohl den Körper. Oft steigert sich dessen Farbenpracht 
in wunderbarer Weise. 
Das Komische, Hässliche, dann die Furchtbarkeit vieler Fisch- 
arten ist bekannt oder leicht zu ersehen. Hässlich oder komisch sind 
die unsymmetrischen Fische, diejenigen ohne entschiedene Längsrich- 
tung, die unproportionirten, also zu platten dicken oder wurmförmigen 
(die platte, tinsymmetrische Scholle, die Neunaugen), diejenigen, welche 
viel Geästel und Gefädel u. dgl. an sich haben, die zu wenig geglieder- 
ten u. s. w. Für die Hässlichkeit, Furchtbarkeit und Sprachlosigkeit 
mögen hier Schilleifs Verse im „'I'ancher" stehen:  
Schwarz wimmelten da, im grausen Gemisch: 
Zu schensslichen Klumpen geballt, 
Der stachlichte Roche, der Klippenfisch, 
Des Hammers gräuliche Ungostalt, 
Und dräuend wies mir die grimmigen Zähne 
Der entsetzliche Hay, des Meeres Hyäne. 
Und da hing ich und war's mir mit Grausen bewusst, 
Von der menschlichen Hiiife so weit, 
Unter Larven die einzige fühlende Brust, 
Allein in der grässlichen Einsamkeit, 
Tief unter dem Schal] der menschlichen Rede 
Bei den Ungehenern der traurigen Oedc. 
Von den Wasser- zu den höheren Landthieren hinüber kommen 
wir zu den Amphibien (Amphibien und Reptilien hier zusammen ge- 
nommen). Auch hier liegt der ganze Körper, Kopf, Leib, Sclmzanz in
        

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