Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179175
Die wirbellosen Thiere. 
Die 
Fische. 
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geschöpf entwickelt, das vom Blumenhonig lebt. Aus dem Kriecher ist 
der leichtbeschwingte Flieger geworden; alles Unreine vom Schmutz der 
Erde ist dahintergeblieben. So nehmen wir ihn denn als Symbol für 
unsere Hoffnungen, wenn die Erde unser Seelisches herabzudrücken 
und niederzulialten scheint  als Bild der den Banden des Leibes und 
dem Druck des irdischen sich entschwingenden Psyche. 
Des Fliegens der Insccten soll hier nur in einer Beziehung Er- 
wähnung geschehen. Jede Bewegung, bei welcher wir nicht die Mittel 
sehen können, durch welche sie geschieht, erscheint uns unnatürlich. 
Ob dieselbe nun durch ein Zuviel oder ein Zuwenig nicht recht erkenn- 
lich ist, bleibt für die ästhetische Empfindung sich gleich. Sie wird 
unnatürlich, widerlich, hässlich oder beim Fehlen jedes Maasses un- 
heimlich, furchtbar. Wie das Krabbeln vieler Füsse oder das Kriechen 
auf vielen Bauchringeln, so wird das Fliegen der Insecten auf- oder 
missfallig, wenn die Schnelligkeit der Fliigelbewegung deren Bewegung 
überhaupt nicht mehr deutlich erkennen lässt. Dem Flattern des 
Schmetterlings entsprechen seine breiten Schwingen, aber der Flug des 
dicken Käfers oder der Hummel mit den wenig bemerkbaren, fast un- 
beweglich durch die Schnelligkeit des Auf- und Abschlagens erscheinen- 
den Flügeln erscheint unnatürlich. Dies Umherschwirren der Insecten 
macht daher in sehr vielen Fallen einen unangenehmen Eindruck. 
Die Kleinheit eines grossen Theils der niederen Ilhierclassen lässt 
sie ästhetisch unbedeutend erscheinen. Andererseits sind manche der- 
selben, namentlich viele Insecten, durch ihre ausgebildeten seelischen 
Eigenschaften (Muth, List, Unverschämtheit, Hartnäckigkeit etc.) aus- 
gezeichnet. Man denke z. B. nur an die Gesellschaftsarten, in denen die 
Natur förmlich die Menschengesellschaften vorgezeichnet hat, an Amei- 
sen und Bienen. Hier haben wir arbeitende, sorgende, muthige, mit 
dem sonderbarsten Thätigkeitsinstinct begabte Thiere, Arbeiter, Faul- 
lenzer, Herrscher. Der Instinct ersetzt die Vernunft in einer Weise, die 
häufig Beschämung erregen könnte. Kraft, Muth, Ausdauer u. s. w. 
vieler dieser Thiere ist ausserordentlich, doch liegen sie so tief unter 
dem menschlichen Maassstabe, dass sie uns kein Erhabenes zur An- 
schauung bringen können, wie gross, ja ungeheuer auch verhältniss- 
massig ihre Leistungen sind. 
Bei den nächsten Ordnungen sehen wir, dass die Natur anfangs, 
wie gewöhnlich, Rückschritte macht, aber Rückschritte, denen zu ver- 
gleichen, die man macht, um einen Anlauf zum höheren Sprunge zu 
nehmen. 
Die Fische interessiren uns vor allen Dingen schon durch Grösse, 
in welcher sie den Insecten weit vorangehen. 
Doch sind sie hinsichtlich der Gliederung sowie der seelischen 
Eigenschaften niedere Thiere. Kopf, Leib und Schwanz tliesst in 
einander. Die Gliederung des Leibes der höheren Thiere in Hals, Brust, 
10?
        

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