Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179157
Das Thior im Allgemeinen. 
Die wirbellosen Thierc. 
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sich alsdann gerade zu strecken sucht. Wenn die Natur diese Funetion 
ausdrückt, so sehen wir die Hervorhebung von Kopf, Rumpf und 
SCIIWIWZ- Das Näßllßiß WlYd Sein, dass dem vortrcibenden Schwanze an 
dem Vorderkörper Einrichtungen entgegengestellt werden, welche ein 
Umrollen der Walze verhindern. Am einfachsten geschieht dies durch 
seitwärts stehende Stumpen, symmetrisch angebracht. Diese dienen 
dann wohl (lazn, den Körper so lange festzuhalten, bis der Leib durch 
Biegungen sich nachschieben und sodann wieder vorwärts spannen 
kann, oder sie werden zu Bcwßvegern, zu Flossen oder zu Füssen, die 
nun, gleichsam selbständig, (lieArbeit des Bewegens übernehmen. Sind 
kräftige Füsse vorhanden, so verliert der Schwanz wohl seine nun 
nöthig gewordene Trcibkraft; Wo sie bestehen bleibt und von Land- 
thieren  von Wasserthieren ist abzusehen  angewandt wird, wie 
vom Känguruh, das mit Hülfe seines Schwanzes die weiten Sprünge 
macht, oder vom geschwänzten Atien, der damit sich hält, schwingt, 
daran klettert u. s. w., da erscheint das Thier uns komisch. Die 
Stellung auf Füssen vernothxrentligt eine Einrichtung des Körpers, dass 
das Thier zur Erde mit seinem Kopfe kommen kann, um Nahrung ein- 
zunehmen. So wird sich der Kopf freier vom Rumpfe gliedern müssen 
oder er wird einen Hals vernothvvendigen, der ebenfalls beweglich am 
beweglichen Kopfe sitzt. Die Walze ist nun in Kopf, Hals, Rumpf, 
Beweger, Schwanz gegliedert. In dieser Weise suche man sich die Er- 
scheinungen klar zu mac ien. 
Wir übergehen hier schnell die niedersten Stufen der Thierwelt. 
Die unregelmässigen Infusionsthierchen gehören schon wegen ihrer Un- 
sichtbarkeit für das blosse Auge nicht hierher. Alle die Arten, welche 
in kalkigen Schaalen, wie die Korallen, leben oder auch sonst nur 
Saugbewegungen machen, gehören für den Anblick kaum zu der Thier- 
welt, sondern fallen wie die Arten, welche Pflanzen zu sein scheinen, 
ästhetisch mehr in die Stein- und Pfianzenbetrachtting. Bekanntlich 
sind viele dieser Geschöpfe in ihren harten oder weicheren Hülsen lange 
Zeit für Steine oder Pflanzen gehalten werden (Korallen, Schwämme etc.) 
Alle Quallenarten, die gallertigen, scheibenförmigen, halbktigeligen 
Geschöpfe mit den mannigfachen Auswüchsen, stehen noch tief. Die 
Fangfaden und Arme, die der direeten Vorwairtsbevsiegung oft hinder- 
liche Form, machen diese Geschöpfe ebenso wie die sternförmigen See- 
sterne, die kalkigen, eckigen oder runden Seeigel, die lederartigen mit 
vielen Füssen oder Fühlern versehenen Holothurien u. s. w. als Thiere 
absonderlich. Bei diesen wie bei den xiachsten Arten sind die Sinne 
unentwickelt. Die Stimme fehlt wie in der Vegetation. Bei vielen finden 
wir pdanzenahnliche Formen. Bei den Schnecken, Muscheln u. s. w. 
tritt in der Form die Spirale auf; auch hier noch keine Symmetrie, wenig 
Gliederung; Kalkschaalen schützen wohl den Körper, die, wie schön sie 
an Farbe, wie gefällig sie durch ihre Form sein mögen, das Thier doch 
Lemcke, Arsthctik. 2. Anti. I!)
        

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