Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179142
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Thi erreich. 
Das 
Pflanzenformartige Entwicklungen stattfinden, ja sind für diejenigen 
Thiere oft nothwendig, welche nicht durch willkürliche Verfolgung ihre 
Beute erreichen können, sondern mehr auf den Zufall angewiesen sind, 
dass etwas in ihren Bereich komme; eine mehr allseitige pflanzenahnliche 
Entwicklung (Rundformen, zweigahnliche Fangarme, vielfache Saug- 
röhren u. s. w.) wird dann zweckmässig. So reich aber die Formen sein 
mögen, thierisch stehen sie niedrig. Alle Thiere, welche keine Richtung 
der Bewegung in ihren Formen ausdrücken, sind untergeordnete Thier- 
erscheinungen. 
l Man kann sagen, die Ernährungsorgane der Zweige und Blätter 
für die Luft, so wie der Wurzeln für die'Wassertheile werden beim 
Thier in den {Stamm hineingezogen, der Stamm aber, behufs der Be- 
wegung losgelöst vom Boden, hat sich natürlicher Weise auf die Erde 
legen müssen. Das Wurzelende bildet jetzt das Kopfende; alle Nah- 
rnngsröliren sind in die eine MundöHnung zusammengezogen; die Krone 
des Baumes ist zum Sehwanzende geworden. Der Stamm bekommt die 
Fähigkeit durch Poren zu atlnnen; wir sehen jedoch auch den Ein- 
athmungsprocess bald concentrirt; auf den niederen Stufen bleibt er 
wohl an den hinteren Theilen des Stammes; auf den höheren wird er an 
das V orderende gezogen und hier mit dem Kopf resp. mit dem Mund in 
Verbindung gebracht. 
Das daraus entstehende Gebilde der Natur ist das niederste Thier. 
Saugwürmer stellen es uns vor. Bei vielen derartigen Geschöpfen ist 
die Mundöttiiung wie mit wurzelförmigen Faden umgeben, durch deren 
Bewegungen Wirbel entstehen, die Wasser und damit Nahrung zuführen. 
Diese Thiere der niedersten Art, oft nur aus einem Darm oder 
Sack bestehend, der sich umstülpen lasst, stehen natürlich ästhetisch 
den höheren Arten der Vegetation unvergleichlich nach. 
Ehe wir jedoch einzelner Gattungen Erwähnung thun, wollen wir 
die Hauptgliederungen betrachten, welche die Natur mit dieser ein- 
fachen Längsrichtung des Stammes vornimmt, den wir sahen zum Thier 
werden. Zuerst zeichnet sie das Nahrung einnehmende Ende aus; wir 
erkennen Kopf und Leib. An diesen Kopf werden dann auf höheren 
Stufen die Organe gesetzt, die zum Behuf der Ernährung oder des 
Lebens überhaupt für das Thier nothwendig werden. Die Wichtigkeit 
dieser Organe für die Aesthetik wird sich bald zeigen. Wo Sehen, 
Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen in der Erscheinung nicht ihren 
Ausdruck finden, da haben wie niedere Geschöpfe vor uns. 
Aber wir bleiben bei dem Erkennen eines Kopfes und Leibes 
stehen. Ein solches Thier kann durch Bewegung des ganzen Körpers 
fortgeschoben werden; es kann sich aber auch der Bewegungsapparat 
auf bestimmte Stellen des Leibes concentriren, zunächst auf den 
hinteren Theil des Körpers, den Schwanz, den Vorwartstreiber, der 
sich gebogen gegen Wasser oder Erde stemmt, während der Körper
        

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