Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179096
Die 
Vegetation. 
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löst sich nach oben der Baum in das feine Gitterweik der die Blätter 
tragenden Zweige auf. Die Borke, Rinde des Stammes macht dabei 
die Ueberleitung von dem Unorganischen der Erde zum leichten Blätter- 
schmuek, in dessen saftigem Glanz wir gleichsam das Leben kreisen 
sehen.  
Farbe und Duft bildet nach Aussen den Ausdruck der Vegetation. 
Mit der Tonwelt steht sie nur in untergeordneter Beziehung durch die 
Bewegungen im Wind, der mit ihr wispert, flüstert, kost, rauscht, tost. 
Aesthetiseh wichtig sind dabei die Schwingungen für das Auge, 
dies Beugen, Neigen, Aufrichten, Hin- und Herwiegen.  
Die Tonkraft liegt übrigens nur versteckt in der Vegetation. Man 
braucht nur an die wunderbaren Töne zu denken, die die Kunst des 
Menschen dem Holz entlockt, an Flöte, Orgel u. s. w. 
Die kleineren Pflanzen erfreuen uns meistens durch Formenzier-  
lichkeit, Farbe und Duft. Die grosscn aber können in das Erhabene 
steigen. Höhe, Ausdehnung, Mächtigkeit überhaupt, machen einen 
Baumriesen zu einer Welt für sich. Da sind Tausende von Zweigen 
und Aesten, ein unzähliges Blätterwerk wölbt sein Laubdach darüber. 
Wenn darin kräftige Gruppen durch die grossen Astgliederungen uns 
erfreuen, Alles durch eine schöne Stammeinheit zusammengehalten und 
geordnet, so haben wir ein herrliches ästhetisches Bild, das durch 
den sehmetternden Gesang der Waldsänger, Lockruf, Bienensummen, 
Windesrausehen  s. w. noch den fehlenden Reiz des Tons zu er- 
halten scheint. 
Die Farbe im Allgemeinen ist von der grössten Verschiedenheit; 
die der Blätter meistens die grüne. Im Frühling herrscht im Grün ein 
heller, freudiger Ton vor; im Herbste bräunt es sich, häufig in Gelb- 
braun oder Roth spielend. Dies Braun und Roth hat wohl erdfarbigen 
Ton, das Gelbliche ist meistens unrein und daher ohne muntere An- 
regung. Die Farbenpracht vieler Blumen ist bekannt. Sie begreifen 
alle Farben bis zum reinsten Weiss. Die schönsten Blumen, die ent- 
falteten farbigen Blüthen mit angenehmem Duft, gehören grössten- 
theilse- wie die Singvögel bei den Vögeln  den kleineren Pflanzen- 
arten an. 
Der Baum ist die höchste Pdanzenbildung wegen der wechselnden 
Gliederung. Auch der Strauch gliedert sich schon in reicher Weise, 
aber die Einheit fallt bei ihm noch auseinander. Doch besteht er schon 
ästhetisch für sich. Bei den Kräutern sinkt die Gliederung auf Blatt 
und verhärteten Blattstengel. Doch müssen wir auch hier speeielleren 
Studien ein näheres Eingehen überlassen. 
Die Früchte sind ästhetisch durch Form und Farbe, Geruch und 
Geschmack und ihre Eigenartigkeit. Diese letztere drückt sich schon 
durch das Loslösen von der Pflanze aus. Die Frage, wie sie dieser 
gegenüber zu schätzen sind, ist ziemlich so müssig wie die, ob das
        

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