Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179066
Die 
Vegetation. 
Krystallinisch zusammenschiessende Formen bildeten das Erd- 
reich. 
Wir haben ein Aehnliches in der Vegetation bei den Flechten, 
Moosen, Schwämmen. Hier setzt kleine Bildung sich an kleine Bildung 
an, jede selbständig für sich erscheinend, wie bei einem Krystallblock. 
Aber auf den untersten Stufen der Vegetation schon begegnet uns 
ein neues, wichtiges ästhetisches Element  Leben, welches nicht 
mehr gebunden ist durch starre Form oder nur durch magnetische und 
andere Kräfte zum Vorschein kommt, sondern ein Leben, dem unseren 
entsprechend, ein Wachsen, Sichnäihren, Entfalten, Blühen, Abnehmen, 
Vergehen. Die Piianze ist ein lebendig individuelles Wesen. 
Während wir das Erdreich als etwas Todtes anzusehen gewohnt 
sind, begrüssen wir im Pflanzenreich ein uns Aehnliches. Daher ist 
es uns sympathisch. In der Wüste, in Felsen- und Schneeöden ist 
schon ein Baum, ein Strauch, eine Blume, oder nur ein Grashalm 
Freude und- Trost. Sie verkünden ja, dass dort noch Leben herrschen 
kann; wir schöpfen daraus Hoffnung für unser Leben, fühlen uns nicht 
mehr so ganz allein im Reiche des Todes. Daher die wunderbare 
Freude des Wüstenbewohners an Blumen, Gebüsehen, Bäumen, davon 
uns alle Reisenden erzählen. Tagelang schwärmt der Perser, der 
durch die Salzwüsten zieht, von einer Akazie am Wege und preist sie 
als ein Wunder unter dem Himmel, feiert sie mit Liedern, schwärmt 
für sie wie für ein schönes Mädchen. Der ihn begleitende Europäer 
lächelt wohl darüber. Er lebt nicht in Salzwüsten; ein Baum ist ihm 
nur ein Baum, ein Holz mit Blättern, weiter nichts. Nur der Mangel 
lehrt würdigen. [Die Perser zeigten zu allen Zeiten grossen Sinn für 
Vegetationssehönheit. Ausser an ihre Gärten (Xelwpllßn) Will ich nur 
an die von Herodot berichtete thätige Liebe des Xerxes für schöne 
Bäume erinnern. Gegen Griechenland ziehend, kam er unweit Sardes 
zu einem Ahornbaum, "den er seiner Schönheit wegen mit einem gol- 
denen Hals- und Armsehmuck beschenkte (weihte) und Einenraus dem
        

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