Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1179059
Erde. 
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Wildheit und Zerrissenheit zeigt. Grade am Gebirge mag man sich 
recht die Bedeutung des Maasses klar machen. Es erscheint uns sehr 
gross, so lange wir es messen, erhaben, so wie uns der Maassstab dafür 
verloren geht. Sehe ich z. B. die Wolken dicht über den Kuppen 
lagern, so erscheinen mir diese sehr hoch. Sehe ich aber hohe Wolken- 
schichten das Gebirge bedecken, aber über diesen Wolken noch Berg- 
spitzen oder Gebirgsmassen in die blaue Luft ragen, so reicht der 
höchste Maassstab nicht mehr aus und Erhabenheit waltet dort oben. 
Als ich das erste Mal das Hochgebirge sah und gewahr wurde, dass GS 
nicht Wolken seien, was über schweren Wolken emporzackte, sondern 
der Grat des Wettersteingebirges, dort in der Himmelsblaue, da verging 
mir fast der Athem und eine Freude schwoll zum Herzen, als ob die 
Brust zerspringen müsse. 
Statische Gesetze beherrschen die Erdmassen. Was ihnen zu 
widersprechen scheint, z. B. schroff überhangende Felsen, macht uns 
den Eindruck, als wolle es stürzen, fallt also leicht ins Furchtbare. 
Auch das Komische kann sich zeigen. Wir brauchen nur durch die 
Formationen an ein Gesicht, an Nasen u. dgl. erinnert zu werden, um 
über den Widerspruch zu lachen. 
Die Erde gilt uns als das Feste. Widernatiirlich also erscheint ihre 
Bewegung. Daher haben Erdbeben etwas Furchtbares, Grausiges.
        

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