Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178995
Luft. 
Wind. 
KVolke. 
129 
Doch er stehet männlich an dem Steuer. 
Mit dem Schiffe spielen Wind und Wellen; 
Wind und Weilen nicht mit seinem Herzen: 
Herrschend blickt er auf die grüne Tiefe, 
Und vcrtrauet, scheiternd oder landend, 
Seinen Göttern     
(Göthe) 
Die Sprache der Winde ist nach ihrer Heimath verschieden. Der 
Süd spricht anders als der Nord, der Westivind weint und klagt, der 
Nordwind tost dumpf, der trockene Ost heult. Man lese darüber die 
Enträthsler der Natur, einen Homer, Shakespeare, Göthe, einen H. 
Heine, Lenail, Lingg n. A. Für den Nordwind z. B. giebt Heine die 
originelle Schilderung in "Nacht am Strande": 
Sternlos und kalt ist die Nacht, 
Es gähnt das Meer; 
Und über dem Meer, plgtt auf dem Bauch, 
Liegt der umgestaltete Nordwind, 
Und heimlich mit iichzend gedämpfter Stimme, 
Wie'u störriger Griesgram, der gut gelaunt wird, 
Sehwatzt er in's Wasser hinein, 
Und erzählt viel tolle Geschichten, 
Ricsenmärchcn, Todschlaglaunig 
Lacht er und heult er, 
Und dazwischen, wcitschallcnd, 
Beschwörungslieder der Edda, 
Auch Rnnenspriiche 
S0 (iunkeltrotzig und zaubcrgewaltig, 
Dass die weissen Meerkinder 
Hochzmfspringen und jauchzen 
Ucbermuth berauscht.  
Wir sehen die Luft gleichsam im Himmelsblan und im Duft der 
Gßgend. Hier kann sie sich klarer oder trüber zeigen, Wonach die 
Gegend und die Dinge schärfer, fester und sicherer umrissen, also 
mehr gezeichnet, plastischer erscheinen oder verfliessender, nebelhafter. 
Beides kann je nach unseren Stimmungen und Anforderungen wohl- 
gefällig wirken, wie beim Lichte auseinandergesetzt worden. Der zum 
Nebel ballende Dunst kann durch sein phantastisches Verschleiern und 
dadurch, dass er uns jeden Maassstab nimmt, den bedeutendsten 
ästhetischen Eindruck hervorbringen. Ein Nebeltag  ziehende Nebel 
M in den Bergen und Ossians Erscheinungen schwimmen riesig in 
den Nebeln und Wolken durch die Bergweltl 
Am ausgeprägtesten zeigen sich die Luftgestaltungen in den W01- 
ken. In ihnen beginnt gleichsam der Uebergang aus dem Zerfliessen- 
den, Gestaltlosen zum Gestalthaftigen, Festen. Göthe hat nach Howard 
fiflgßnde Bezeichnungen für verschiedene Wfükßllbildungen einge- 
blfrgert: Stratns, die ziehenden Nebel und Wolkenstreifen über Sümpfen 
Wie an den Bergen; Cumulns, die auFgethürmte Wolkenmasse mit 
Lemckc, Aesthetik. ü. Aufl. 9
        

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