Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178933
Farben. 
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Wärme und Licht. Blau hat weniger Wärme und Licht als die frühe- 
ren. Es hat daher leicht etwas Kaltes, Finsteres als Umgebung. Violett 
hat noch weniger, nähert sich leicht dem Finsteren. 
Ausser diesen, aus dem Wesen des Lichts geschöpften Ein- 
drücken, haben wir bei den Farben noch andere Vorstellungen in 
Betracht zu ziehen, um ihre Eindrücke zu erklären. Folgen wir auch 
dabei dem trefflichen Oersted: Das Rothe erinnert an das Blut. Das 
Orange an das Feuer, das Grün an Feld und Wald und dadurch an 
die feste Oberfläche der Erde. Das Blau erinnert an das Himmels- 
gewölbe und gleichfalls an die Ferne. Braun, sagt Vischer, ist das 
ergiebige Pflanzen und Thiere trlagende Erdreich; es erscheint als 
Farbe der Nützlichkeit (auch des Trockenen, Hausbackexien). Grau 
vermittelt Schwarz und Weiss, daher wirkt es sanft beruhigend. 
Auf die symbolischen Bedeutungen der Farben ist hier nur ein 
flüchtiger Blick zu werfen. Weiss bedeutet Reinheit, Schwarz ohne 
Glanz  Trauer. Auch das licht- und warmeleere Violett trauert. 
Grün ist Hoffnung wie Frühlingsgrün. Roth ist Liebe, auch Pracht 
und Macht. Es deutet auf das Herzblut  auf die Liebe. Dann 
Zeigt es auch das Blutrecht an, die Macht über Leben und Tod. Gelb 
ist rein wie Gold. Doch bedeutet es auch Untreue, Verrätherei, weil 
es so leicht schmutzt. Blau heisst Farbe der Treue. Es schmutzt 
nicht leicht. Ausserdem spiegelt sich darin der (iedanke an den 
Himmel, das Unwandelbare.  
Wichtig, aber sehr schwierig und streitig ist die Lehre von der 
Harmonie der Farben. Es ist bekannt; dass manche Farben neben- 
einander einen unangenehmen, andere einen wohlgefälligen Eindruck 
machen. Welche Gesetze existiren darüber? Geben wir zuerst die 
bisher am allgeineinsten angenommene Erklärung. 
Das weisse Licht gilt als die Einheit. Wenn das Licht nun aber 
in Farben auseinander spaltet, so verlangen wir kraft des uns inne- 
W0l1nenden Harmoniedranges nach der Harmonie, nach dem Einheit- 
lichen des Lichts.  
Nehmen wir Grün. Grün entsteht durch Mischung von Gelb und 
Blau. Gelb, Blau und Roth geben aber erst Weiss. Im Grün fehlt 
vollständig das Roth. Diese Ergänzungsfarbe zum Weiss verlangen 
wir also instinctiv. Grün und Roth giebt vereint die Liehtfarbe, die 
Harmonie. Die Erganzungsfarben gewinnt man einfach durch folgende 
Rundstellung der Farben (s. p. 124) in der Folge des Regenbogens. 
Gelb entbehrt Blau und Roth, verlangt das ihm gegenüberliegende 
Violett. Blau entbehrt Gelb und Roth, verlangt als Complementäirfarbe 
Orange. Roth entbehrt Gelb und Blau, verlangt Grün. 
Orange entbehrt Blau, verlangt dies also u. s. w. Das Auge sieht 
darum, wenn es scharf auf Grün blickt, daneben einen röthlichen 
Streifen. Hat es Both und Gelb vor sich, so verlangt es Blau, sieht
        

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