Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178924
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Licht. 
Klang und 
Bewegung, 
dessen vollständige Verschluckung. Weiss, wenn das Sonnenlicht 
unverändert zurückgeworfen wird. Werden Strahlen eingesogen und 
nur eine bestimmte Lichtbrechung, z. B. Roth zurückgeworfen, so er- 
scheint uns der Körper in der zurückgeworfenen Farbe, also hier roth. 
Die ästhetische Erklärung der Farben macht sich nun, wie man 
bekennen muss, nach der Goethdschen Theorie am leichtesten, wiewohl 
diese bekanntlich von den Physikern verworfen wird. 
Weiss ist Licht, Freude; Schwarz Dunkel, Trauer. Getrübtes 
Weiss giebt Gelb; es macht einen aufregenden, anregenden Eindruck. 
Es ist in seiner Reinheit munter, reizend, warm, behaglich. Das Dunkel 
erhellt, giebt Blau; folglich bekommen wir einen gemildert-nieder- 
schlagenden, wohl einen beruhigenden, abspannenden Eindruck. In 
höchster Reinheit wird Blau gleichsam ein reizendes Nichts. Blau 
giebt danach ein Gefühl der Kälte, sowie es uns atleh an Schatten 
erinnert. Zimmer, die rein blau austapezirt sind, erscheinen gewisser- 
maassen weit, aber eigentlich leer und kalt. Gelb und Blau vereint 
geben in ihrer höchsten Steigerung Roth. Es hat Ernst, Würde vom 
Blau, Huld und Anmuth vom Gelb. Im Purpur ist es ernst und präch- 
tig. Grün wird durch eine einfache Vermischung von Gelb und Blau 
hervorgebracht; halten sich beide Farben das Gleichgewicht, so dass 
keine vor der anderen bemerklich ist, so ruht das Auge und das Gee 
mütlrauf diesem Gemischten wie auf einem Einfachen. Man will nicht 
wveitel- und kann nicht weiter. Im Rothgelb ist das Gelb an Energie 
gewachsen durch die Verdichtung und Verdunkelung; die Farbe er- 
scheint mächtiger, herrlicher; sie giebt das Gefühl von Warme und 
WVonne.  Gelbroth steigert über das Rothgelb hinaus den Eindruck bis 
zum unerträglich Gewaltsamen. Es erfreut Naturmenschen in ihrer 
gesunden lünergie, z. B. Kinder; es beunruhigt und erzürnt aber auch, 
z. B. den Stier. 
Die ltarben der Plusseite sind Gelb, Rothgelb (Orange), Gelbroth 
(Xlennig, Zinnober). Sie stimmen regsam, lebhaft, strebend. 
Die Farben von der Minusseite sind Blau, Rothblau (Lilla) und 
Blauroth. Sie stimmen zu einer unruhigen, weichen und sehnendcn 
Empfindung. S0 Goethe. 
Weiss und Schwarz behält auch nach der Newtonschen Theorie 
seinen Character. Hören wir Oersted darüber: Roth wird durch die 
grössten Lichtwellen hervorgebracht und hat die grösste Wärme. 
Diese Farbe wirktstarl: auf das Auge, wird dadurch ermunternd, 
gesteigert aber auch beunruhigend.  
Orange hat weniger Wärme, aber grössere Lichtstärke, ist da- 
durch belebend, beunruhigend, prachtvoll. Gelb hat weniger Warme, 
aber grössere Lichtkraft, ist klar, munter und milderweckend. Jeder 
Schmutz zieht es jedoch ins Widerliche. Grün giebt Gleichgewicht in
        

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