Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178891
Licht. 
Tageslicht. 
Blitz. 
Künstliches Licht. 
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des Wechsels nicht aufgehoben. Ihr wird neben der Lichtfreude Ge- 
nüge geleistet im Wechsel von Licht und Schatten des Beleuchteten. 
Greller Lichtwechsel entsteht durch den Blitz. Abgesehen von der 
Furcht, dass sein Strahl tödtlich sein könne und von der scharfen Zacken- 
linie, trifft der schnelle Contrast unsere Nerven so schneidend, dass 
sie ihn häufig nicht zu ertragen vermögen. Der maasslose Wechsel 
macht, bei Nacht namentlich, leicht den Eindruck des Furchtbaren. 
Wenn aber das Gewitter am fernen Horizonte steht und der Blitz somit 
nicht zu kurz und grell verzuckt, wird er eine schöne Erscheinung, 
die zum Erliabensten sich steigert. Wetterleuchtend glüht in den 
Nachtwolkeu ein Blitz auf  der Himmel in die Unendlichkeit hinein 
geöffnet, leuchtende Herrlichkeit durch das Dunkel  die Tiefe des 
Himmelsgewölbes, die Weite, die der Strahl überfliegt, die Macht, mit 
welcher er purpurflammend die finstere Welt, eine Welt von Himmel 
und Erden, aus der Nacht riss  (las vereint sich zu einem unendlich 
erhabenen Anblick. 
Die gewöhnliche Flamme ist an und für sich erfreuend als Licht- 
bringerin. Wenn der Kerzenschein uns bei Nacht entgegenstrahlt, so 
ist es Leben, was wir sehen, auch Menschenleben, was er verkündet. 
Tritt die Flamme uns im Wechsel entgegen, so wirkt sie nach der 
Geschwindigkeit dieses Wechsels mehr oder ureniger lebendig oder 
unruhig. Das helle Feuer erfreut durch das Spiel der Flammen- 
bewegungen. Es ist das Bild lebensfreudiger, heiterer, freier Lebens- 
kraft im Wechsel seines hellen Leuchtens. In der Kohlengluth ist'ein 
kaum bemcrkbares, innerliches, reges Treiben, ein tausendfaltiges 
Spiel, das phantastisch wirkt, gemüthlich, heimlich. Dagegen hat der 
schroffe Wechsel, z. B. des Pechfackellichts etwas Unruhiges, ja Un- 
heimliches, Bcangstigendes. Es ist kein Maass darin. Nun dem Er- 
löschen nahe, flammt es plötzlich gierig auf, Licht und Dunkel wechselt. 
Dadurch ist es sehr geeignet, etwas Todtes, z. B. Statuen, lebendig 
erscheinen zu lassen, kann sich aber auch leicht ins Uebermaass stei- 
gern, wo es alsdann widerwillige und grausige lilmpfindungen verur- 
sacht. Auch künstliches Licht kann so grell und hell, so aufregend 
und doch dabei nüchternawirkeii wie das Tageslicht. S0 die Helle des 
Tanzsaales.  scharfe Gaslicht wird auf die Dauer 
stechend. Ilebcrall gleichmäiäsig vertheiltes Licht, das keinen Schatten 
aufkommen lasst, hat die Nachtheile des Wechsellosen; es ist nüchtern, 
unmalerisch.  
Gedämpftes Licht, relative Dunkelheit ist uns nöthig zur lllrholung 
des Schlafes. Dadurch kann es einen erfreuenden Eindruck machen. 
Die Dämmerung lindert die Aufregung, spannt ab von bestimmten 
Thätigkeiten der Seele. Weil alle Formen in ihr undeutlich werden, 
 so bekommt die Phantasie Spielraum, um das Fehlende zu ergänzen 
und auszufüllen. Dämmerung, annähernde Dunkelheit wird auch da-
        

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