Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178866
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Bewegung, 
Klang und Licht. 
Schimmer zu suchen; kann es nichts entdecken, so sind wir in unserem 
Thun wie vernichtet. Der erste graue Schein der Dämmerung, und 
Todeslast ist von unserer Brust gewälzt. Wohl kann man sich daran 
gewöhnen, d. h. (lurch das Bewusstsein die instinctive Angst bezwin- 
gen, wie ja heutigen Tags Jeder durch die Tunnelfahrten der Eisen- 
bahnen an sich selbst gewahrt. Schön aber wird die Lichtlosigkeit 
niemals. 
Schön ist das Licht. Alles freut sich seiner. Mit ihm erwacht die 
Lebensfreude; vor ihm flieht die Angst. In seinem Begriff schon liegt 
das Freudige, Angenehme; das Lichte, HÜHC, Klare, Sonnige u. s. w. 
bezeichnet das Schöne, dem Tranrigcn und dem Hässlichen des 
Finstern, Trüben, Dunklen gegenüber. 
Was sich des Lichtes nicht freut, das ist uns verhasst oder wider- 
wärtig, oder im besten Fall komisch. Wenn uns schon stumme Thiere 
sonderbar erscheinen, so steigert sich dieses gegen lichtscheue und 
lichtlose bis zur vollen Empfindung des Gegensatzes. Alles, was sich 
darum zu vicl in die Erde hinein verbirgt oder bei Nacht sein wahres 
Leben führt, ist schlimm angesehen und nicht blos von uns, sondern 
auch von vielen Thieren. Die Eule z. B. hassen sämmtliche lichtfrohe 
Vögel und verfolgen sie; augenlose Thiere sind unheimlich. 
Aber betrachten wir einige Erscheinungsarten des Lichtes. 
Sternennacht! Dunkel ist die Welt, aber dort oben am Himmel glänzen 
leuchtende Punkte. Ihr Funkeln zieht uns zu sich hinauf. Von der 
dunklen Erde hiniveg hebt uns die Sehnsucht nach dem Licht, das 
uns zugleich mit dem Troste erfüllt, dass die Nacht, das Schreckliche 
doch nicht ganz über uns hereingebrochen ist, dass es noch Licht, 
Lebensfreude giebt. Aber in Tausende von Sternen ist das Licht da 
droben zerstreut. S0 zertreut es auch uns; wir verschwimmen. Die 
Concentrirung unseres Iehs löst sich; milde, sehnsüchtige Stimmung 
bemächtigt sich unser, die (lureh den zitternden Glanz der Fixsterne 
noch weicher und unbestimmter wird. So wenden wir uns vom (lunklen 
Irdischen hinauf zu dem himmlischen Trost, der uns aus der erhabenen 
Unendlichkeit entgegenleuchtet; so hat allen Völkern und Zeiten die 
Sternennacht für ein Schönes und Heiliges gegolten; so hat immer der 
Mensch in Sehnsucht und Trost nach dem Sterne geschaut, der durch 
die (lüstern Wolken glänzt. 
Aber mehr als Lichtfreude leuchtet von dort oben zu uns: es ist 
Unendlichkeit, in welche wir sehen; es sind Welten über Welten, uner- 
messlich, unausiiiegibar selbst für unsere Phantasie. Die Schauer des 
Erhabenen erfüllen uns. Maasslos würde selbst der Gedanke, wenn 
nicht Alles dort oben seine Bahn zöge und uns auch dort die Harmonie, 
die Ordnung des Weltenraums das Gefühl des Furchtbaren in das des 
Efllabßllcn und Göttlichen wandelte. Nur der ungewohnte Komet mag 
uns erschrecken und mit Entsetzen erfüllen, indem er anscheinend die
        

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