Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178827
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Klang und Licht. 
Bewegung, 
grosse Rolle gespielt. Man braucht sich nur an das Elltlütjliell Platds 
über geometrische Figuren (den Kreis, Dreieck, Quadrat, Vieleck 
u. s. w.) zu erinnern. Bei der Geraden bestimmen zwei Punkte sie bis 
in's Unendliche. Der Kreis ist durch eine Linie gegeben, die um einen 
festgehaltenen Endpunkt gedreht wird. Beim gleichseitigen "Dreieck und 
beim Quadrat bestimmen ein Winkel und eine Seite und so fort. Jede 
mathematische Regelmässigkeit kann nun unter Umständen als Zwang 
erscheinen und wird daher, übel angebracht, missfallen. Es versteht sich, 
dass ebenso die Freiheit, verkehrt angewendet, einen unangenehmen Ein- 
druck macht; Es giebt für vieles Niedere nichts IIöheres als Ordnung-s- 
zwang. Es fallt in Willkür, statt frei zu werden, sobald dieser aufhört. 
Auf die Einzelheiten der schönen Erscheinungen, die sich in den 
Bewegungen zeigen, lässt sich hier nur hindeuten. Man denke an den 
Tanz, dessen Rhythmus man sich durch Linien verdeutlichen kann. Man 
vergleiche dabei die Linien einer Quadrille mit denen eines gewöhnlichen 
Rundtanzes, die Mannigfaltigkeit der Figuren bei jener gegen die ein- 
förmig wiederkehrende Spiralbewegung bei diesem. Oder man be- 
trachte den Unterschied zwischen dem Trabe und dem Galopp eines 
Pferdes, um das ästhetische Wohlgefallen zu ergründen. Der Trab 
gicbt ein scharfes gleichförmiges Zickzack fXfXfNXXxXXx, der Galopp 
eine durch den Sprung sich fortsetzeude Bogen- oder Wellenlinie 
KWNFNFNKÄ. Jener ist dadurch auch für den Blick schon 
stossender, spitziger. Man denke etwa an die schönen Bewegungen in 
der Natur an den Wogen und den Flammen, des im Winde Wallenden, 
an die scharfen, abgestossenen Bewegungen mancher Vögel gegen die 
sicheren, rhythmischen, kreisenden Linien, die der Falke, der Adler, 
die Taube u. A. beschreiben, an die "steifen" Bewegungen von Vier- 
füsslern und die graziöseu Bewegungen des Windspiels u. s. w. 
Sowohl eine zu langsame als die zu schnelle Bewegung wird miss- 
fallen. Jene wird trag, plump, ungeschickt schwer erscheinen. Bei 
einer zu schnellen Bewegung verlieren wir den Einblick iu-dic Be- 
wegungsweise; sie erscheint maasslos und betäubt, verwirrt, erschreckt. 
Gemessenheit der Bewegung macht einen würdigen, feierlichen Ein- 
druck. Leicht, ohne eine Spur von Anstrengung zu zeigen, muss das 
Reizende sich bewegen. Unsicherheit der Bewegung mag man sich 
leicht als Linie denken, die dann statt der scharfen, graden Striche 
überall von wideiwvartigen Hockern und Schwankungen entstellt ist. 
Ebenso sind scharfe, outrirte Bewegungen, Weichheit derselben, Ver- 
schwommenheit u. s. w. leicht nach ihren Eindrücken darzustellen; des- 
gleichen die unharmonischen; sie geben Bewegungslinien, die einander 
durchreissen und zerkratzen. 
Sehr wichtig ist für die Bewegung die Einsicht in die treibende 
Kraft und in die Art und Weise, wie sie ausgeführt wird. Jede plötz- 
lißheßewßgung, deren Ursache man nicht kennt, erscheint tinhcimlitrh.
        

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