Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178811
Bewegung 
Linien. 
111 
Verstärkung hervorgehobenen Nachdruck und Bedeutung, grössere und 
geringere Freiheit u. s. w. in der Linie zeigen. 
Betrachtet man die Linie nach Wesen und Ausdruck, so verlangt 
die gerade Linie auch den geraden 
V    Strich, die gebogene muss genau dein 
 sie beherrschenden Gesetz gemäss 
f.) {es construirt sein. Ein von Höckern 
57W  AFQÜÜFZ unterbrochener Kreis kurz jede 
"i rls 1-,  '  
"t  nicht genau gezeichnete Figur er- 
Bons" 47V  litt"?! scheint hässlich entstellt. Für die 
 e " (h, 5,517, 7 
J  Freihcits- und Ordiiuiigsbedingnng 
  braucht man nur die unendlich lange 
 Gerade mit der Welleiiliiiie zu ver- 
  gleichen. Dort absoluter Zwang ohne 
Wechsel. In der Schlangenlinie, in der Spirale dagegen Wechsel. 
Man kann nun jede Fläche und damit die 
  l ' Oberflaehe jedes Körpers als durch unzählige 
 l  nebeneinander liegende Linien gebildet ansehen, 
 wodurch die Linie ein Grundwesentliches eines 
ä j 8 unendlichen Gebietes derAesthetilt wird. Hogarth 
i" x erkannte, wie schon gesagt, die ästhetische Schön- 
 heit der Wellen- oder Schlangenlinie, die er wegen 
Ihrer Befriedigung die Seliönheitslinie nannte, gegen welche Gerade, 
Kreislinie u. s. w. hässlich erschienen. Indem er nun aber die Wellen- 
linie als die ansschliessliehe Schönheitslinie, nicht blos als die höchste 
Oder eine der höchsten, hinstellte, vergass er das Goetheische: Eines 
Schickt sich nicht für alle. Er wollte die Linien der menschlichen 
Fßrnien auch auf Holz und Stein angewandt wissen niid so kam er, 
über das Ziel hinaussehiessend, in Lacherliehkeiten. Er musste den 
Schneckenstil der Baroekzeit höher stellen, als den classiselien Stil der 
Sßllönsteu Werke des alten Griechenlands, Roms und der Renaissance. 
Wir werden sehen, wie die niederen Bildungen andere Schönheitsformen 
haben als die höheren und nur abgeschniackt erscheinen, wenn man sie 
111 diese hineinzwängt; im Allgemeinen lasst sich sagen: je tiefer das 
Wesen, desto starrer das Gesetz der Form; je höher, desto freier, 
manniclifaltiger das letztere. Willkürlichkeit ist natürlich nicht mit 
FYeiheit zu verwechseln; sie steht niedrig (Infusionstliierclieii). Eine 
Gerade, eine Kreislinie ist zivängender, starrer einheitlich als Wellen- 
linie, Ellipse etc. Während wir daher z. B. die Krystalle nach Geraden 
construirt sehen, erblicken wir bei den Thiei-en durchaus freiere Linien 
In der Formbildung. 
Wenn Linien sich zusammen scliliessen, entsteht der Anblick einer 
Fläche. Rein lineare Schönheiten, sowie solche lilläclienschönheilen in 
mathematischer Regelmässigkeit haben von jeher in der Acsthetik eine
        

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