Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178746
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Das 
Komische. 
hinkend und eingefallen zu sein. Es ist dies das Kreuz bei allen Humo- 
risten, die vergessen, dass der Humor eine herrliche Beigabe, aber 
nicht die Hauptsache ist. Sie geben dann eine Mahlzeit von lauter 
- süsscn und sauren Beigaben, die den Hungrigen nicht sattigen, sondern 
nur täuschen und ihm sehliesslich den Magen verderben. 
Das Tragikomische entsteht durch das Zusammenschiessen des 
Tragischen und Komischen. Das Tragische löst sich komisch auf  
statt des Schwertstreiches, der das Haupt vom Rümpfe trennt, ein 
Schlag mit einem nassen Handtuch. Oder ein Komisches hat unglück- 
lichen Ausgang  der Clown ahmt einen ungeschickteii Fall nach, fallt 
wirklich ungeschickt und bricht ein Bein. Man kann es sich leicht nach 
dem Komischen und 'l'ragischen (Unglücklichen) construiren. 
Es gilt hier noch einen Begriff zu erörtern, der mit dem, was über 
die Ironie bisher gesagt ist, nicht verwechselt werden darf. Es ist dies 
die sogenannte Ironie der Romantiker, die ursprünglich nur die Frei- 
heit des Künstlers gegenüber seinen Schöpfungen bedeuten soll. Wenn 
die Trauer z. B. im Drama weint, so tritt die Narrheit dazwischen und 
lacht. Der Künstler darf aber nicht mehr der Narrheit einen traurigen 
Zug geben; er muss sein eignes Mitgefühl im Zügel halten können. Der 
ist noch ein Stümper in der Kunst, der seinen Pegasus nicht nach Be- 
lieben führen kann, mit dem das Ross macht, was es will, nicht die 
Gangart geht, die es soll. So lange die Empfindungen das Gebiss 
zwischen die Zähne nehmen und durchgehen, nicht eher einhaltend, als 
bis sie müde sind, so lange kann man von allem Andern, nur noch 
nicht von Kunst sprechen. Diese Beherrschung wurde nun "Ironie" ge- 
nannt; der Künstler müsse sich "ironisch zu seinen Gebilden verhalten. 
Bald ging jedoch die echte Bedeutung davon verloren und die gewöhn- 
liche der Ironie schob sich in den Satz. Nun meinten Künstler, sie 
müssten in Allem ironisch sein, um sich wahrhaft frei zu zeigen. 
Und so trugen sie nun die Zersetzung in ihre eigenen Gestalten. 
Namentlich verfielen sie dabei in schlechten Humor. Um zu zeigen, 
dass sie freie Künstler waren und ihr Spiel  wiederum ein Begriff, 
der tausend Missverständnisse erzeugt hat  mit dem Stoffe trieben, 
warfen sie. die Extreme durcheinander, bewitzelten, verhöhnten und 
zersetzten Alles, was sie schufen, und zersetzten sie sich, die Künstler. 
schliesslich selbst. Und diese Disharmonie, in der Stoff, Welt, Künst- 
ler, in der Alles auseinander fiel, das galt für Kunst! das sollte harmo- 
nischen Eindruck machen! Nichtiges Spiel Alles! Seligkeit und Koth, 
Sterne und das Lieht des Bordellfeusters, das Höchste und das Nied- 
rigste, das Reinste und das Schmntzigste ward durcheinander geworfen; 
da gab es nichts Heiliges mehr, denn die Ironie verlangte ja, (l21S Hei- 
lige in den Staub zu werfen und mit Füssen darauf zu treten, nichts 
Grosses, denn der Nachtstuhl durfte nicht vergessen werden. Schliess- 
lich zerrinnt Alles, bis auf Ehre, Vaterland, Streben und Leben selbst.
        

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