Volltext: Populäre Aesthetik

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Das Komische. 
und Satire geisseln und hecheln; ihr Opfer bleibt nicht ungeschadigt; 
der Sarcasmus und Hohn treffen schneidend und träufeln dann noch 
Gift in die Wunden. Natürlicher Weise sind im Einzelnen wieder 
grosse Abstufungen. Es giebt feinen und groben Spott, eine streifende 
und zersetzende Satire, Persiflage u. s. w. Die Wirkungen können 
dem Necken und Kitzeln ähnlich sein, aber der Spott und seine Ge- 
nossen können auch wie mit Wasser begiessen, mit dem Schwerte 
schlagen, mit glühendem Eisen sengen; Hohn ist häufig ein giftiger 
Dolch, dessen Wunde niemals heilen kann. 
In allen diesen Fallen ist das harmlos Komische ausgeschlossen; 
es sind Waffen, Waffen, die wir aber deswegen nur gegen das Unwür- 
dige angewandt sehen wollen. Wenn sie gegen das Reine gerichtet 
sind, namentlich wenn wir das Schwache datiurch verletzt sehen, so 
empört sich die Seele so sehr dagegen, als es sie freuen kann, wenn 
das Verderbte, Schlechte, Uebermässige (Stolze, Ieloclnuüthige u. s. w.) 
dadurch getroffen wird. Doch kehren wir zum Komischen zurück und 
fassen wir di-e NVirkung ins Auge, die es auf unsere Empiindilngen übt. 
Seine. Hauptwirkung ist eine lösende. 
Jede übermassige Spannung der Seele wird dadurch gehoben. Ist 
etwa durch volle Hingabe an das Erhabene, Schöne, Steif-Axistamlige 
ein unfreier Zustand eingetreten oder hat der Eindruck des Hässlichen 
oder Niederen oder Furchtbaren sie ergriffen, so springt das Komische 
hülfreich bei und restituirt in integrum. Es stellt den natürlichen 
Standpunkt wieder her. Es ist der Diener, der uns zuruft: bedenke, 
dass Du ein Mensch bist! wenn wir uns gar zu hoch über unsere Natur 
hinausschratlben; der es uns manchmal bei den unpassendsten Gelegen- 
heiten, wie wir meinen, zuruft und darum auch wohl unseren vollen 
Zorn erweckt, der uns doch aber auch die schwarzen Brillen der Miss- 
stimmung, Trübsal, Beangstigting vor dem Gesichte wegreisst und den 
wir uns darum zum Freund machen müssen. Noch einer andern wohl- 
gefälligen Empfindung, die das Komische giebt, ist zu gedenken. Das 
Komische weist uns auf die Freude der reinen Harmonie hin; es ver- 
söhnt das Schlimmste bis zu einem gewissen Grade. Dann aber ist 
nicht zu vergessen, dass es unserer Selbstgefälligkeit vielfach schmei- 
chelt. Wir fühlen uns höher stehend, klüger, sicherer u. s. w. als das, 
was wir komisch finden. So kann das Wohlgefallen daran, ausartend, 
zu Schadenfreude und Bosheit werden; selbst die gutmüthigen, sonst 
aber kleinlichen Seelen wird es leicht kitzeln, das Höhere unter sich 
fallen zu sehen. Es ist in diesem Punkte dem Gefühl des Erhabenen 
entgegengesetzt. 
Nichts ist gesunder als das gute Komische mit seinem heiteren 
Lachen. Die schwarze Sorge wird in seinen Springfluthen wieder licht 
und klar gewaschen; die dunkelsten Flecken gehen heraus. Es spannt 
ab und erfrischt zugleich  keine trcfflichere Erholung, kein besserer
	        
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