Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178681
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Das 
Komische. 
wird dies, wenn das Thier aus seiner Sphäre in die menschliche ge- 
rückt wird, z. B. wenn Thiere  Hunde, Gesslers Pferd, Ziegen u. s. w. 
 auf dem Theater erscheinen und sich dort unanständig aufführen. 
Das Gebiet des Komischen ist so umfassend, dazu unbestimmt, 
dass gar nicht der Versuch gemacht werden kann, es hier auch nur 
annähernd nach allen seinen "Pheilen zu betrachten. Als Grundgesetz 
bleibt immer das unschädliche Auflösen durch --feineren oder derbe- 
ren  Widerspruch im Gegensatz bestehen, mag sich das nun im 
Naiven, Drolligen, Täppischen u. s.  im Scherz, im Schwank, in 
der Zote, in den Eulenspiegeliaden, in den lächerlichen Situationen, in 
Aufschneidereien, Lügen, oder in sonstigen komischen WVidersprüchen 
zwischen Wesen oder Stoff und Form, Absicht und Ausführung, Zweck 
und Mittel zeigen. Wenn das Weib an der Königstafel die [Feinheit 
des leinenen Tischtuches prüft, so fallen die Kleinlichkeit und die 
Grossartigkeit übereinander her; wenn Rembrandt den Ganymedes malt, 
wie der Adler dem dicken, schreienden, vor Angst unanständigen 
Bürschchen das Hemd von den feisten Hintertheilcheii zieht, so ist 
das solche gegensätzliche Beleuchtung eines Ganymed, dass nichts als 
Lachen bleibt. Wenn Jordaens freilich uns bei seinem Fest des 
Bohnenkönigs, wo Alle schon angetrunken sind. einen Knaben in noch 
prononcirtercr Lage verführt, so geht das schon ziemlich stark über 
das Komische hinaus. Doch auch diese Gränze des Komischen durch 
das Derbe oder Unanständige oder was es nun sei, ist nicht hier, noch 
ist sie überhaupt anzugeben, indem auf den verschiedenen Standpunkt 
Alles ankommt, von dem aus wir eine Sache betrachten. Was dem 
Einen der höchste Spass ist, gilt dem Andern für uniiäthig; worüber 
der Eine lacht, weint der Andere; was hier kaum prickelt und kitzelt. 
thut dort weh. 
Auf diewerschiedenen, zum Tlheil in ihren Granzen sehr strittigen, 
Arten des Komischen im Grotcskcn, Burlesken, Possenhaften u. s. w. 
soll hier nur hingewiesen werden.  
Auch die Caricatur, die Parodie und Travestie können nur eine 
einfache Erwähnung finden. Die Caricatui- wirkt durch Uebertreibung 
der Eigenthümlichkeit eines Originals. Die Parodie und Travestie 
übertragen Gleiches auf durchaus Ungleichartiges, wodurch ein Unsinn 
herauskommt, der uns lachen macht. Hierbei waltet der Unterschied, 
dass die Parodie sich im Allgemeinen bewegt und nur in grösseren 
Zügen ein ähnliches Bild zeigt, während die Travestie sich dem Ori- 
ginal getreu anschliesst und bis in die einzelnen Züge hinein das 
niedrigere Gegenbild ausführt. So die Definition von Rosenkranz. 
[Ich verweise für dies ganze Kapitel auf Rosenkranz, Vischer, Carriere, 
Jean Paul, Flögeh] 
Ein besonderes Gebiet im Komischen beansprucht der Witz. 
ET trägt ein Maass an das Bewitzelte, und zwar in schneller, alle
        

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