Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Populäre Aesthetik
Person:
Lemcke, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177159
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1178663
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Das Komische. 
stehlich einen komischen Eindruck bewirkt. Eine hässliche Maske ist 
etwas furchtbar Hassliches, weil das Todte der Maske zum Hässlichen 
kommt. Aber wir wissen, dass ein lebendiges und wie wir annehmen 
wollen, ein hübsches Wesen dahinter steckt und dieser Gegensatz er- 
scheint wohl komisch. Für ein feines ästhetisches Gefühl giebt es 
übrigens dabei engere Grenzen, als gewöhnlich angenommen werden. 
Masken können abscheulich sein trotz Bewusstseins des Gegensatzes. 
Das Komische des Niederen, das erhaben scheinen will, ist be- 
kannt; es bietet ja ein unerschöpfliches Thema, vom aufgeblasenen 
Frosch und dem Esel in der Löwenhaut bis zu den Malvolios, Pistols, 
Parolles. Alles Prahlen und alles Grossmaulige gehört hierher; Iros 
der Bettler und Thersites. 
Plötzliches Umschlagen in das Furchtbare und Schreckliche ist, 
wie schon gesagt, heikler Natur, kann aber doch wohl von komischer 
Wirkung sein. Nehmen wir ein sanft erscheinendes Thier, dem sich 
Jemand voller Zuversicht oder mit dnmmdreister Rücksichtslosigkeit 
nähert. Gesetzt, Jemand will ohne Wleiteres einen schönen Hund 
streicheln oder einen Leoparden necken und plötzlich fährt der Hund 
ihm in die Hand oder der Leopard trifft ihn mit einem blitzesgeschwin- 
den Schlag, so wird sich unwillkürlich die Lachlust unserer bemäch- 
tigen, wenn auch der angerichtete Schaden dieselbe schnell zurück- 
drängen sollte. Allerdings wirkt hier auch der Gegensatz der Dumm- 
heit oder Dreistigkeit und der schnellen Belehrung und des Schreckens. 
Doch möchte das wahrhaft Grausig-e als unkomisch anszuschliessen 
sein, indem der Anforderung, dass das Komische sich unschädlich auf- 
lösen möge, dabei kaum zu genügen ist, es sei denn, dass wir uns 
auf einen sehr egoistischen Standpunkt versetzen. 
Um aus den tausendtaclien komischen Gegensätzen noch einige 
hervorzuheben, denke man nur an das Plumpe  Zierliche, z. B. den 
Bar, der tanzt, an das Starke  Schwache, Muthige  Feige, Grosse 
 Kleine n. s. w. An den Bramarbas, der davon läuft, haben wir 
schon erinnert. Wie komisch ist der ertappte Heuchler und der Auf- 
schneider und Lügner und wie nun alle die Träger des sich in Nichts 
auflösenden Widerspruchs heissen, wenn sie sich für uns unschädlich 
zeigen. Unschadlich für uns! Für sich und Alle, die es gut mit ihnen 
meinen oder von ihnen abhängen, leider gewöhnlich nur zu schädlich! 
Man nehme z. B. den Lügner oder den Trunkenen oder gar den Narren. 
Vernunft und Unvernunft treten beim Trunkenen und Narren in Wider- 
spruch. Der Fremde kann über den Tlrunkenen lachen, während An- 
verwandte vielleicht die bittersten 'l'hranen über ihn vergiessen oder 
Verdruss und Zorn empfinden. Selbst der Irre, ja der Wahnsinnige 
erscheint wohl wegen des inneren Widerspruchs lächerlich, obgleich 
eine gesittete Zeit in diesen Krankheitserscheinuiigen mehr das Schad- 
liche und Traurige als kindisch leichtsinnig das Komische zu berück-
        

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