Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171221
Grundlegung der modernen Monarchie in Frankreich. 
volk zu halten, den Vasallen im Allgemeinen entzogen und von be- 
sonderer königlicher Erlaubniss abhängig gemacht, und als nach dem 
Wafienstillstande mit England im Jahre 1444 die entlassenen Söldner 
plündernd und verheerend im Lande umherstreiften, wurde dies die 
Veranlassung zur Gründung der sogen. Ordonnanzcompagnien, welche, 
im Lande vertheilt, jenen umherziehenden Trupps wehren und sie 
zur Auflösung und ruhigen Rückkehr in ihre Heimath nöthigen sollten. 
Dies gelang so vollkommen, und das bisher so schwer heimgesuchte 
Land empfand die dadurch gewonnene Ruhe und Sicherheit so dank- 
bar, dass der König nun auch keine Schwierigkeiten fand, als er zur 
Errichtung nationaler Truppen schritt, welche den Engländern im 
Falle der Erneuerung des Kriegs sofort entgegengestellt werden 
konnten. Die Anfänge eines stehenden Heeres und zu diesem Zwecke 
einer bleibenden Besteuerung des Landes, die Grundlagen der mo- 
dernen Monarchie, waren dadurch gegeben, aber gewisserinaassen noch 
zufällig und mitten in dem noch bestehenden und von seinem alten 
unruhigen Geiste erfüllten Lehnsstaate. Zwar hatte der niedrige 
Adel schon seine trotzige Selbständigkeit abgelegt, militärische Dis- 
ciplin und mildere Sitten angenommen. Aber dies kam nicht blos 
dem Könige, sondern auch den grossen Vasallen zu Gute und erregte 
bei ihnen die Neigung, den Zuwachs der Macht, den die Verhältnisse 
ergaben, für sich zu gewinnen. Dies Begehren war um so stärker, 
wenn sie aus königlichem Blute stammten und bei der Vieldeutig- 
keit der verschiedenen Rechtsquellen erbrechtliche oder Vormund- 
schaftliche Ansprüche aufstellen konnten. Die ritterliche Unterneh- 
mungslust, die gerade durch das prunkende Ritterthum dieser Tage 
noch gesteigert war, machte es fast zur Ehrensache, solche Ansprüche 
aufzunehmen und zu verfechten und verschaffte jedem Prätendenten 
einen kampflustigen Anhang, der ihn wiederum anspornte und so 
bleibende Parteiungen und leidenschaftlich erbitterte Kämpfe erzeugte. 
Ludwig XI. hatte sich unter der Regierung seines Vaters selbst an 
diesen Parteiungen betheiligt; nach seiner Thronbesteigung war es 
das Dichten und Trachten seines rastlosen, arbeitsamen Lebens, den 
Widerstand der Grossen zu brechen, das Wohl des Landes zu för- 
dern und die Krone von Frankreich stark und unabhängig zu machen. 
Er war freilich kein grosser, genialer Charakter, der begeisterte und 
fortriss. Persönlich furchtsam, misstrauisch, verschlossen, suchte er 
seine Zwecke hauptsächlich durch List und Ueberraschung zu er- 
reichen. Er liess es sich viel kosten, die Grossen des Landes und 
die benachbarten Fürsten zu überwachen, durch Bestechung ihrer 
Räthe und sonstigen Umgebungen von ihren Planen unterrichtet zu
        

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