Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171207
Verweltlichung des Papstthums. 
der Piipste stand ihnen entgegen. Sie waren geistlich stark gewesen, 
so lange sie weltlich schwach waren und als die uneigennützigen 
Vertreter der Kirche und göttlicher Rechte erschienen. Sie verloren 
diese Macht, sobald sie weltliche Interessen berücksichtigen mussten. 
Derselbe Pius, der als Papst noch einmal einen Kreuzzug veranstalten 
zu können glaubte, war sich schon des grossen Unterschiedes der 
Zeiten sehr wohl bewusst, wenn er sich auch nicht von der vollen 
Bedeutung desselben Rechenschaft gab. In einer officiellen Rede, 
die er als Cardinal hielt, versuchte er diejenigen zu widerlegen, welche 
der Kirche den Reichthum zum Vorwurfe machten und ihr die Ar- 
muth Christi verhielten. Wenn Christus, bemerkt er dabei, um 
unsers Heiles willen arm gewesen ist, so müssen jetzt die römischen 
Bischöfe reich und mächtig sein, und zwar wieder um unseres Heiles 
willen. Denn nur durch mächtige Hand können jetzt die Verbrecher 
gestraft und ausgerottet werden 1). Die Päpste bedurften also des 
Geldes und fürstlicher Macht; dies Bedürfniss entzoaaber ihren 
Handlungen den Charakter des Uneigennützigen und Geistlichen und 
raubte ihnen die begeisternde Kraft. Ihre Eigenschaft als geistliches 
Oberhaupt der Kirche liess sich von ihrem weltlichen Fürstenthum 
nicht mehr trennen; die lllaassregeln, welche sie in jener ersten Eigen- 
schaft über die Völker verhängten, hatten nicht blos geistliche Zwecke, 
sondern sollten auch die Mittel schaffen, um ihrer fürstlichen Gewalt 
Nachdruck und Glanz zu geben. Sie waren auf einen abschüssigen 
Boden gestellt, und sehr bald sehen wir sie tief in die Wirren der 
arglistigen italienischen Politik verwickelt, wobei denn die Versuchung 
nahe lag, die Umstände nicht blos zur Vergrösserung des Kirchen- 
staates, sondern auch zur Bereicherung ihrer eigenen Verwandten zu 
benutzen. Schon Sixtus IV. (1471-1484) dachte daran, seinem Neffen 
einen selbständigen Fürstensitz zu schaffen; Innocenz VIII. (1484- 
1492) behandelt seine, vor dem Empfange der geistlichen Weihen er- 
zeugten Söhne geradezu als Prinzen; und unter Alexander VI. ver- 
wandelt sich die päpstliche Curie völlig in einen weltlichen Hof, mit 
allem Waffengeräusch und aller Zuchtlosigkeit der damaligen italie- 
nischen Sitte. Die weltkundigen, mit schamloser Offenheit verübten 
Frevel des Hauses Borgia brachten zwar eine allgemeine Entrüstung 
und eine gewisse Reaction hervor. Aber zu einer Herstellung jener 
früheren Idealität konnte es nicht kommen. Man durfte nur hoffen, 
1) Georg Voigt, Enea Silvio de Piccolomini III. 594. Schon auf dem Baseler 
Concil war eine ähnliche Theorie aufgestellt. Ranke, Päpste I. 43; Schröckh, 
Kirchengeschichte XXXII. 91.
        

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