Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171187
Die 
Curie nach dem Schisma. 
der weltliche Interessen verfolgen musste. In der avignonischen 
Periode hatten sich die inneren Verhältnisse Italiens verändert. 
Während es früher aus zahlreichen einzelnen Baronen und Stadt- 
gemeinden bestand, welche einander bekämpften und sich in zwei 
Parteien gruppirten, von denen die eine sich an die Kirche, die andre 
an den Begriff der kaiserlichen Autorität anlehnte, bildete sich 
jetzt eine mässige Zahl von grösseren Territorialstaaten, welche 
kein stätiges Verhältniss zur Kirche hatten und ihren Vortheil mit 
rücksichtsloser Energie verfolgten. Die Curie selbst hatte den Grund 
zu dieser Umgestaltung des Landes gelegt; indem sie es dahin brachte, 
dass die schwachen Wahlkaiser Deutschlands auf die Geltendmachung 
ihrer Rechte in Italien verzichteten, emancipirte sie hier die Ge- 
walthaber und entfesselte ihre Habsucht. Dazu kam dann, dass 
die früh entwickelte Civilisation, das Vorherrschen des gewerblichen 
Elementes und der steigende Luxus den republikanischen "Stolz und 
den kriegerischen Sinn der Bürger brach und das Bedürfniss eines 
kräftigen Rechtsschutzes hervorrief, dadurch aber es den Machthabern 
erleichterte, jeden Widerstand im Innern zu unterdrücken und mit 
Hülfe eines ausgebildeten Söldnerwesens die benachbarten kleineren 
Gemeinden und Herren zu unterwerfen. Der Kirche selbst und dem 
kirchlichen Systeme war diese Veränderung vielleicht nachtheilig, 
aber sie kam den Päpsten in Beziehung auf die Beherrschung des 
Kirchenstaates zu statten. F1'üher,_als sie den gewaltigen Einfluss 
auf das gesammte Abendland ausübten, waren sie im eignen Lande 
machtlos, von ihren Städten und Baronen bedroht, oft unstät und 
flüchtig, selten lange im Besitze ihrer Hauptstadt gewesen. Während 
ihrer Abwesenheit hatte die gesteigerte Zügellosigkeit der Parteien 
ihnen günstigere Verhältnisse geschaffen. Die Macht des Adels war 
durch die wilden Kämpfe der Geschlechter selbst und durch die dic- 
tatorische Energie des Cola di Rienzi und einiger; anderer Partei- 
häupter gebrochen, der demokratische Widerstand des römischen 
Volks nach dem kurzen Traum republikanischer Herrlichkeit in ein 
Bedürfniss nach Ruhe und kräftiger Herrschaft umgeschlagen, so dass 
es dem päpstlichen Vicar Cardinal Albornoz gelang, durch Anwen- 
dung derselben Mittel, welcher sich die weltlichen Tyrannen Italiens 
bedienten, die Päpste zu wirklichen Herren des Landes zu machen. 
Jenes in andrer Beziehung verderbliche Söldnerwesen war gerade 
ihnen günstig. So lange es auf persönliche Leitung von Kriegs- 
schaaren ankam, stand der geistliche Fürst hinter seinen ritterlichen 
Vasallen zurück. Sobald geordnete Heere für Geld zu haben waren, 
in dessen Erwerb die Curie in Avignon riesenhafte Fortschritte ge-
        

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