Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171161
Erstes 
Kapitel. 
Kirchliell-politisclle 
Gestaltung 
des 
Abendlandes. 
Schon das vierzehnte Jahrhundert lässt deutlich erkennen, dass 
das System des Mittelalters sich überlebt hatte. Die Verhältnisse, aus 
denen es hervorgegangen, bestanden nicht mehr, die Zwecke, auf die 
es berechnet gewesen, waren annähernd erreicht oder als unerreich- 
bar aufgegeben; statt dessen waren andere Bedürfnisse erwacht, für die 
es keine Hülfe gewährte. Es setzte Völkermassen ohne feste natio- 
nale Gliederung und ohne eigenthüinliche Bildung voraus, für welche 
die Kirche das einzige Band der Gemeinsamkeit, die einzige Quelle 
geistigen Lebens war. Sobald neue Nationen mit eigner Sprache und 
Literatur und mit verschiedenen geistigen und leiblichen Bedürfnissen 
entstanden waren, welche sich zu grossen, nach mehr oder weniger 
festen Gesetzen geregelten Körperschaften zusammenschlossen und 
ihre Sonderinteressen mit Energie und Instinct verfolgten, war jenes 
System in seiner ursprünglichen Gestalt nicht mehr haltbar, das 
abendländische Gemeinwesen konnte nicht mehr unbedingt der Lei- 
tung der Kirche folgen, diese musste suchen das Gebiet ihrer Wirk- 
samkeit in andrer Weise zu begrenzen. Dies um so mehr, weil bei 
dem allgemeinen Wachsen weltlicher Interessen auch sie nicht mehr 
den Schein abstracter Reinheit bewahren konnte, der ihr bisher noch 
erhalten war. 
Die Verlegung der päpstlichen Residenz nach Avignon, welche 
das Oberhaupt der Kirche in unverkennbare Abhängigkeit von der 
französischen Krone brachte, das dadurch entstehende Schisma und 
die in Folge dieser Wirren immer mehr um sich greifende Sitten- 
1.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.