Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1171054
LXXYI 
Biographie. 
Schnaaseä 
C arl 
im Wandern, Betrachten, Aufzeichnen und Erörtern. Es war in ihm 
ein heiliges Feuer, das seine feinen Züge beseelte, aus dein klaren 
Auge blitzte und dem zarten Körper eine Elasticitat und Energie 
verlieh, welche uns oft in Erstaunen setzte. Sein ganzes Wesen 
leuchtete auf, wenn es in Berührung trat mit den grossen Schöpfungen 
der Vergangenheit. Nur wer so glücklich war, ihn in solchen Mo- 
menten zu sehen, hat den bezaubernden Eindruck seiner Persönlich- 
läeit 
ihrer 
höchsten 
Potenz 
erhalten. 
In Verona schieden sich unsere Wege; er schlug die Strasse 
Venedig zur Heimath ein, uns zog es über Brescia und Genua 
über 
nach 
Florenz und Rom. Aber während der Dreivierteljahre meines ferneren 
Aufenthalts im Süden blieben wir durch regen brieflichen Verkehr 
verbunden. 
Während 
im 
Zll 
Geiste uns 
den unvergesslichen Stätten 
begleitete, deren Andenken meine Schilderungen ihm lebendig erneuerten, 
musste ich aus seinen Briefen zu meiner Betrübniss erfahren, welche 
Entbehrungen ilnn das rauhe Klima auferlegte. "Indessen", schrieb 
er (lamals, "sehe ich doch recht deutlich, wie sehr 1nir die geistige 
Ruhe des festen Wohnorts nöthig ist, um noch in späten Tagen so 
manches in dem früheren überbeschäftigten Leben Versäumte nach- 
zuholen, Lücken und Disharmonien meines Wesens auszufüllen." In 
demselben Briefe berichtet er von musikgeschichtlichen Studien, zu 
denen er durch unsere Gespräche angeregt worden war; ich theile die 
Stelle mit, weil sie am besten beweist, wie bei ihm jede Geistesnahrting 
sofort in tiefste geschichtsphilosophische Erkenntniss sich verwandelte: 
„Es ergibt sich", so heisst es dort, "aus diesen Studien ein für die 
ganze Kulturgeschichte überaus wichtiges Resultat oder doch eine 
Bestätigung und nähere Bestimmung einer sonst schon ausgesprochenen 
Wahrheit. Ich meine nämlich den Umstand, dass die griechische Musik 
auf einer unvollkonnnen erkannten, oder wenn man will, beschränkten 
und verkünmierten Natur beruhte, und dass die Menschheit unter der 
Herrschaft und Leitung des Christenthunis erst dazu gelangen konnte 
(und wie langsam und Inühsam: tausend Jahre ein Tagl), allmählich 
die wahre Natur, unsere 'l'0nleiter, zu finden, und darauf weiter, zuerst 
das Allgemeine, Contrapunktische, Blehrstiinmige, dann das Lebendige, 
Individuelle zu gründen. Die Bedeutung der Scholastik, mit der diese
        

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