Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1170939
LXIV 
Carl Schnaasds Biographie. 
den Vorsatz, das Werk in's Französische zu übersetzen. Auch im 
kommenden Jahr trafen Schnaasds mit ihm in Marienberg zusammen. 
Von der Zeit an kam er alljährlich im Herbste nach Deutschland, 
lebte in Schnaases Hause und machte kleine und grössere Reisen 
mit ihnen gemeinsam. Trotzdem, dass er die deutsche Sprache da- 
durch gründlicher verstehen und in ihren Feinheiten auffassen lernte, 
blieb seine Uebersetzung des Schnaaseschen Werkes ziemlich man- 
gelhaft. Als Schnaase nach Germain's Tode die Arbeit an Sabatier 
auf dessen Wunsch übergab, der sie zu benützen und fortzuführen 
gedachte, konnte dieser sie nicht verwenden und die Sache schlief 
nach und nach ein. 
Noch eine Bekanntschaft fallt in diese Zeit, die eines jungen 
Geistlichen, Krafft, der seit Kurzem an die evangelische Kirche in 
Düsseldorf gewählt war, und mit Eifer, Tüchtigkeit und Begabung 
Leben in die Gemeinde brachte, das nicht selten in der Gestalt 
des Kampfes auftrat. Seine Predigten machten grossen Eindruck, 
wenn auch Manche sich über ihre Schroffheiten beklagten, Geist 
und wahre Ueberzeugung hörten auch diejenigen heraus, die ihre 
persönliche Freiheit dem Geistlichen gegenüber im Urtheil be- 
wahren wollten, und es traten durch ihn die religiösen Dinge mehr 
in den Vordergrund, zu denen sich bisher Jeder in der Stille sein 
Kierhältniss gestaltet hatte. In der Gesellschaft hatten die litera- 
rischen, künstlerisch ästhetischen Interessen den Mittelpunkt gebildet, 
und die Kreise, in denen man sich bewegte, theilten sich nach dem 
Antheil, den diese Dinge hervorriefen. Nun entstanden neue Ge- 
meinschaften, Abneigung und Begeisterung wurde hervorgerufen, 
Wenige suchten nach beiden Seiten gerecht zu werden, zu diesen 
Wenigen gehörte Schnaase. 
Sein Verhältniss zu religiösen Dingen beruhte auf einem tiefen 
Herzensbedürfniss. Ihm war die Religion niemals eine Sache des 
starren Dogmas, sondern des innersten Lebens. Sein milder Sinn 
konnte sich ereifern, wenn er über Diejenigen sprach, welche in 
äusseren Satzungen das Wesen des Christenthuins zu erfassen meinten. 
Die Religion solle etwas Flüssiges, Lebendiges sein, das den ganzen 
Menschen erfüllen, in seinem Denken, Empfinden, Handeln sich spiegle,
        

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