Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1177032
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Filippo Brunellesco. 
es einzugestehen. Nur in dieser Zeit des Ueberganges, wo das Be- 
dürfniss des geistigen Zusammenhanges noch bestand, aber doch 
schon der Individualität grösseren Spielraum liess, war eine solche 
Wirksamkeit möglich. Aber dennoch war es das Verdienst Bru- 
nellesco's, dass er sofort das Richtige traf und, indem er mit seiner 
willensstarken Persönlichkeit die Schranken des Hergebrachten brach, 
die Principien fand, welche ihn leiten und vor dem Verirren in 
wüste Willkür bewahren konnten. Es war zunächst die Natur, an 
die er sich hielt. Zuerst die abstracte, mathematische und statische 
Natur, die Grundlage architektonischer Construction, die er tiefer 
zu ergründen und kühner zu beherrschen strebte, als seine Vor- 
gänger. Dann aber auch die wirkliche, organische Natur, die er 
mit bildnerischer Neigung in der Ornamentation reproducirte. Die 
Vermittelung zwischen beiden, zwischen jener ersten und dieser letz- 
ten Aufgabe, gewährte ihm dann allerdings die antike Kunst, die er, 
nach der in Italien herrschenden Stimmung, als die Vaterländische 
und in Folge seiner Studien als seine Lehrerin und als eine durch- 
bildete, meisterliche Leistung verehrte. Aber sie war ihm nicht 
Zweck, sondern Mittel. Es fiel ihm nicht ein, antike Bauten zu 
copiren, moderne Bedürfnisse in ein ihnen fremdes Kleid zu hüllen. 
Er suchte an der Antike nur das Wahre und Richtige zu lernen; 
sie war ihm die Vertreterin und Verkündigerin der Natur oder doch 
das Mittel, sich gegen Willkür und unsicheres Umherirren zu schützen. 
Er vertraute, dass sie die in dieser begründeten, aber verborgenen 
Gesetze gefunden und ausgeübt habe, und folgte ihr darin, so lange 
er zweifelte. Wo er diese Gesetze selbst erkannt zu haben glaubte, 
ging er seinen eigenen Weg, und auch wo er die antike Form an- 
wandte, war es immer sein eigenes, allerdings durch den Umgang 
mit ihr geübtes und gestimmtes Gefühl, welches Maass und Ver- 
hältnisse zu bestimmen und die Harmonie zwischen den verschiedenen 
Elementen zu halten lehrte. Das Persönliche ist also schon in höhe- 
rem Grade, als auf früheren Stufen der Baukunst, das Entscheidende, 
aber es tritt bei ihm noch so mässig, so von objectiven Stoffen er- 
füllt auf, dass es noch keine persönliche Reaction hervorrief, sondern 
für seine Nachfolger lange Zeit hindurch maassgebend wurde. 

        

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