Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im 15. Jahrhundert
Person:
Schnaase, Carl Lübke, Wilhelm Eisenmann, Oscar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1169929
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1170919
LXII 
Schnaasäs Biographie. 
Carl 
Hier trat Schnaase als selbständiger Forscher in die Reihe der Mit- 
strebenden und bewahrte bei allen einzelnen Fragen eine eindringende 
Schärfe kritischen Blicks, eine strenge Objectivitäit der Untersuchung, 
eine unbestechliche Unparteilichkeit des Sinnes, bei der man an die 
berufsinassige Gewohnheit richterlichen Abwägens und Entscheidens 
auf's Wohlthuendste erinnert wird. Dieser Eindruck Wirkt um so 
erfreulicher, wenn man bedenkt, wie oft subjective Gereiztheit und 
Leidenschaftlichkeit in wissenschaftlichen Streitfragen die Würde der 
Sache verletzt. 1m Gegensatz zu solchen Erscheinungen weht uns 
aus Schnaases Darstellung überall eine wahrhaft vornehme Ruhe an, 
die aber (lurch einen starken Hauch von Empfindung glücklich vor 
Kalte bewahrt wird. 
Diese Warme brachte er vor Allem den Schöpfungen des Mittel- 
alters entgegen. Es lag derselben nicht bloss das natürliche Inter- 
esse zu Grunde, welches der Forscher stets den noch jugendlichen, 
aufblühenden Epochen entgegenbringt; auch die tiefreligiöse, echt 
christliche Grundstimmung seines Wesens hatte ihren Theil daran. 
Dennoch veirleitete ihn dieselbe nicht, nach der Weise gewisser 
tendenziöser Lobrerlner des Mittelalters, jene Epoche in schönfär- 
bender Weise zu schildern. Er bleibt auch hier überall der Mann 
streng wissenschaftlicher Forschung. Aus seinem erschöpfenden Stu- 
dium, nicht blos der Kunstwerke, sondern auch der literarischen Er- 
zeugnisse jener Epoche, erwächst ihm ein Bild, irelches, von den ba- 
nalen Schlagworten sowohl der Vergötterer, als der Anschiväirzei- des 
Mittelalters frei, die Lichtseiten, wie die Schattenpartien gleichmassig 
heraushebt und dadurch zu einer Schilderung des Culturlehens der 
treibenden Machte, der wundersam verwickelten und widerstrebenden 
'l'endenzen jener Zeit, sich gestaltet, wie es so tiefsinnig, so lebens- 
voll nirgendivo in unserer Literatur zu finden ist. Nur ein von 
wahrhaft historischem Geiste erfüllter grosser Geschichtsschreiber 
vermochte eine solche Darstellung zu entwerfen und (lurchzuführen. 
Die fünf Bände seines Werkes, wrelche ausschliesslich der Kunst des 
Mittelalters gewidmet sind, haben vorzugsweise den Anspruch auf den 
Ehrentitel einer klassischen Schöpfung. 
Inzwischen wurde das Fortschreiten der Arbeit theils durch die
        

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